Ihr Textertipp: Abkürzungen

Schon mal gelesen oder gesehen? "asap", "afaik" oder "fyi". Was dem einen kryptisch erscheint, ist für den anderen ganz klar: Es sind keine zufällig zusammengewürfelten Buchstaben, sondern Abkürzungen samt Botschaft. Und bedeuten der Reihenfolge nach auf Deutsch: "sobald wie möglich", "soweit ich weiß" und "zu Deiner / Ihrer Information". Doch wozu das alles? Der Textertipp sagt's.

50.000 Abkürzungen und mehr ...

Rund 50.000 nationale und internationale Abkürzungen listet das Duden-Wörterbuch der Abkürzungen auf. Noch nicht dabei sind hier individuelle oder regionale Besonderheiten. Dazu kommt: Sprache verändert sich und entwickelt sich weiter. Jugendkultur und Internationalisierung schwemmen weitere an, dazu kommen unzählige Abkürzungen aus Technik (MP3), Wissenschaft, Verwaltung oder Recht (StVO).

Abkürzungen: sprechen und schreiben

Doch wieso kürzen wir eigentlich ab? Weil wir Platz und Zeit sparen möchten. Und das schon seit dem Mittelalter. Weil Papier damals selten, kostbar und teuer war. Damals waren Abkürzungen Teil diplomatischer Höflichkeit und Ausdruck eines eleganten und professionellen Schreib- bzw. Briefstils. Heute beschäftigt sich damit eine ganze Wissenschaft (genannt Brachygraphie) und klassifiziert Abbreviaturen (Fachbegriff für Abkürzungen) durch Abbrechung, Kontraktion, Abkürzungszeichen oder Suspensionskürzungen: mag. art. = magister artium, a. D. = außer Dienst (Peter Johannes Schuler, Historisches Abkürzungslexikon / Universität Passau, Philologische Fakultät, Historische Grundwissenschaften).

Sprache wird dann verkürzt, wenn wir es uns damit einfacher machen. Vielsilbige Bezeichnungen werden zu Kurzworten. Denn: Wer sagt North Atlantic Treaty Organization wenn es schneller und präziser mit NATO geht? Wer spricht von United States of America, wenn es auch mit USA geht? Portable Document Format kennen wir als PDF, die Elektrokardiografie als EKG. "U. a." ist im Schriftbild eine sinnvolle und verständliche Verkürzung, nicht aber beim (Aus-)Sprechen. Logisch: Punkte innerhalb der Abkürzungen stören den Sprechrhythmus, bringen uns ins Stolpern und sind gleichzeitig Zungenbrecher.

Alles im Detail regelt übrigens eine DIN-Norm für Abkürzungsregeln (DIN-Norm DIN 2340:2009-04).

"Asap", "afaik" und "fyi"

Ganz neu sind Abkürzungen also nicht – und bei weitem kein Phänomen des Online-Zeitalters. Nur werden heute vermehrt Aussagen, Botschaften oder Informationen, nicht mehr nur Fachtermini, Institutionen oder Begriffe des täglichen Gebrauchs (AB für Anrufbeantworter) abgekürzt. Und hier finden wir dann auch Abkürzungen aus dem Englischen: So lesen wir immer seltener "Ich melde mich sobald wie möglich", sondern "Melde mich asap" ("as soon as possible").

Abkürzungen in der Geschäftskorrespondenz

Viele sind üblich und werden täglich gebraucht. Sind sie bekannt, erkennt man gleich ohne nachzudenken Sinn und Bedeutung. Im Austausch mit Arbeitskollegen zählt ganz oft auch Schnelligkeit: Hier senden wir E-Mails und Anhänge, in denen wir nicht alles ins Reine formulieren (müssen). Der Anhang einer E-Mail muss nicht ausladend beschrieben werden – ein einfacher Hinweis reicht. Ist das Unternehmen international geprägt oder ausgerichtet, lesen wir dann "fyi" ("for your information") und wissen, dass eine weitergeleitete Nachricht der Information dient. Bedenken Sie aber: Nicht jeder Kollege versteht auf Anhieb, was dahintersteckt. Hier hilft ein Abkürzungsverzeichnis der im Unternehmen gängigen Kürzel.

Achtung: Je höher die Position der angeschriebene Person, desto mehr Vorsicht ist im Umgang mit Abkürzungen geboten. Wenn's zu spartanisch wirkt, kommt’s beim Vorgesetzten mitunter gar nicht gut an.

Gleiches gilt für die Kommunikation mit Auftraggebern. Hier ist es ein Gebot der Höflichkeit und Wertschätzung entsprechend zu formulieren: Kurz und präzise und nur so viele Kürzel oder Abkürzungen, wie notwendig.

Was aber klar ist: Nicht immer bleibt Zeit auszuformulieren. Von unterwegs gesendete Nachrichten sind per se knapp gehalten. Hier nimmt es Ihnen auch niemand übel, wenn Sie sich kurz halten – der Hinweis am Ende der E-Mail "Von unterwegs gesendet" klärt auf und entschuldigt für Ihre knappen Worte.

Kürzel an den Kunden

Kürzt man die E-Mail an den Kollegen ab, mag das noch in Ordnung sein. Was gilt aber für den Endkunden? Denken Sie daran: Einigen Abkürzungen ist ihr eigentlicher Sinn abhanden gekommen. Wer über die Bedeutung von Abkürzungen erst rätseln muss, gerät ins Stocken und Grübeln. Der Lesefluss ist dahin. Abkürzungen beschleunigen dann nicht, sondern bremsen. Im Endkundenbereich gilt: Zu viele Abkürzungen sind ein absolutes No-Go! Klare Sprache zählt.


Vorsicht also bei zu vielen "dgl.", "zz.", "m. E.". Wer zu sehr verkürzt, verprellt letztlich auch seinen Leser. Denn er mag denken: "Hier wurde schnell und in Eile geschrieben und möglichst viele Informationen auf wenig Raum verknappt." Kürzel sind also kein Zeichen von Höflichkeit – sondern Eile. Abkürzungen wirken hier störend und kontraproduktiv. Wenn, dann gehören hier nur wenige und vor allem gängige Verkürzungen hinein.

Abkürzung bei der ersten Verwendung erklären

Wer Fachtexte schreibt, sich in einem technischen Umfeld bewegt oder mit feststehenden Begriffen arbeitet, kennt es: Hier schleichen sich gerne mehrsilbige Wörter in den Text, die den Lesefluss bremsen. Nichts ist dann einfacher, als von Beginn an mit der Abkürzung zu arbeiten. Das gelingt, wenn der Empfängerkreis und Sender denselben Kenntnisstand haben. Kann dies nicht vorausgesetzt werden, entsteht ein Gefälle – und schlimmstenfalls Unverständnis. Der einfache Kompromiss: Bei Erstnennung wird der Begriff ausgeschrieben und die Abkürzung in Klammer gesetzt: Ladenschlussgesetz (LadschlG). Alle weiteren Nennungen kommen als Abkürzung in den Text.

Kurzum – auf den Punkt gebracht

Heutige Dialogmuster sind schnell. Und vor allem vielfältig, weil wir über viele verschiedene Kanäle kommunizieren können. Allen gemeinsam ist: Verständlichkeit ist Trumpf! Denn nach wie vor gilt: Wer nicht versteht, wird nicht kaufen.

Wie Sie Ihre Texte auf Verständlichkeit trimmen, lernen Sie im Texterseminar. Das nächste Mal am 31.05. + 01.06. 2017 in Berlin.

Aus dem Seminar: 6 Methoden für Ihren Text

Texten ist kein Hexenwerk, sondern Handwerk. Und erlernbar. Jede(r) kann es. Auch wir haben uns gefragt: Wie ist Texter-Wissen vermittelbar? In 2 Tagen? Damit unabhängig der Vorkenntnis nach dem Texterseminar klare, präzise und verständliche Texte entstehen. Die Antwort: Eine Methodik, welche die typischen Anforderungen an Texter beachtet. In einem modularen Baukasten-System.
Hier sind die 6 Methoden der Textakademie

 

Hinweis in eigener Sache

Der Textertipp richtet sich an Texter und Texterinnen gleichermaßen. Und an solche, die es werden wollen. Keinesfalls möchten wir mit der Vereinfachung Personen ausschließen; schon gar nicht schreibbegeisterte Texterinnen. Deshalb unser Hinweis: Der Textertipp richtet sich an Personen beiderlei Geschlechts.