Ihr Textertipp: Nicht-Wörter gibt es nicht

„Das Essen nicht herunterwerfen“, „die Schokolade nicht in die Haare schmieren“. Ein Verbot, das als Negation daherkommt, macht neugierig aufs Ausprobieren: Dann landet das Essen auf dem Boden und die Schokolade in den Haaren. Wieso die Verneinung übersehen wird und gar nicht als Verbot, sondern Gebot wirkt, sagt Ihr Textertipp.


Das Wichtigste zu Negationen:

  • Negationen bremsen die Kommunikation.
  • Unser Gegenüber benötigt zu lange, um sie aufzulösen.
  • Sie wirken mitunter missverständlich.
  • Negationen verwirren. Umgehen Sie diese und setzen Sie auf klare Aussagen.


Nicht, kein und Co.

Wird etwas verneint, geschieht dies häufig mit nicht oder kein: „Nicht anfassen“, „nicht herunterwerfen“, „kein Problem“. Oder mit den Vorsilben (Präfixe) un-, a-, des-, in-, ir-, un- und Nachsilben (Suffix) -los:

Präfix Suffix
uninteressant ergebnislos
asymmetrisch
desinteressiert
indiskutabel
irrational
unweigerlich

Das Problem: Wie eine Negation geschrieben steht oder gesagt wird, kommt sie selten im Gehirn an. Die Verneinung wird anders verarbeitet, wie es beabsichtigt ist. Häufig arbeiten die Aussagen gegeneinander und aus „nicht die Straße bei Rot überqueren“ wird ein „die Straße bei Rot überqueren“.


Negation und lange Sätze

Je länger der Satz, desto eher steht die Verneinung am Satzende: „Unter anderem ist es dazu erforderlich, die gesammelten Daten nicht einfach so zu löschen.“ Um diese Aussage zu verstehen, erfordert es Aufmerksamkeit. Denn erst am Ende steht die Botschaft. Die da meint: „Daten in Ruhe lassen“.

Bis das allerdings ankommt, vergeht Zeit. Die Aufmerksamkeits-Spanne nimmt mit jedem Wort ab, so dass die Verneinung am Satzende gar nicht mehr als solche empfunden wird oder das eigentliche Verbot nicht mehr als drastisch wahrgenommen wird.


Blick in die Wissenschaft: Verneinungen verwirren

Das menschliche Gehirn benötigt für die Auswertung von Verneinungen mehr Zeit wie für klare und eindeutige Botschaften. Zudem erreichen uns positive Botschaften schneller.

Wieso das so ist? Um die Negation auszulösen, bedarf es im Gehirn logischen Vorgängen. Erwachsenen gelingt das zwar im Vergleich zu Kleinkindern durchaus, sie haben damit aber trotzdem Mühe. Die Decodierung wird im Zusammenspiel der Gehirnhälften verlangsamt: Zwar erkennt eine Gehirnhälfte das Verbot (die linke, u. a. zuständig für Logik, Sprache und analytisches Denken), die andere (die rechte, u. a. zuständig für bildhaftes Denken) jedoch nur das Bild. Die richtige Deutung des Befehls kostet Zeit und Energie.


Denken Sie nicht an eine Banane!


Positiv formulieren

Eine Verneinung verkompliziert. Überlegen Sie sich, was Sie tatsächlich ausdrücken möchten. Meiden Sie die Negation und formulieren Sie positiv. Benennen Sie eine klare Handlungs-Aufforderung.


Der Text meint es gut. Weil er aber mit Verneinungen gespickt ist, kommt die Botschaft gar nicht oder verzögert an. Schuld daran sind die Negationen. Deutlich positiver und schneller liest es sich so:

Lieber Kunde,

wir kümmern uns darum. Die Lösung ist einfach.
Wir gehen es an und helfen Ihnen gerne.


Wie Sie Negationen auflösen und vermeiden

  • Machen Sie sich auf die Jagd nach Negationen mit nicht oder kein.
  • Schwächen Sie die Negation im ersten Schritt ab. Kein Problem wird zu problemlos. Weil "Problem" immer noch im Wortstamm vorhanden ist, ersetzen Sie es. Suchen Sie nach dem für den Kontext richtige Wort: Problem➜ problemlos ➜ einfach.
  • Spüren Sie Vorsilben wie un-, a-, des-, in- ir- und un- auf: Das ist nicht uninteressant.
  • Streichen Sie die Vorsilbe, wenn möglich: Das ist interessant.
  • Kehren Sie ins (beabsichtige) Gegenteil um:
    Es ist unumgänglich ➜ Es ist nötig | erforderlich | notwendig.


Doppelte Verneinung

Einmal nein: nein. Zweimal nein: ja. Die Verneinungen heben sich in den meisten Fällen auf. Was als rhetorisches Stilmittel die Tiefe der Sprache zeigt, hat in der Kommunikation nichts zu suchen. Schicken Sie Ihre Leser nicht zweimal um die Ecke, ehe sie die Aussage verstehen. Sagen Sie klar und deutlich, was und wie Sie es meinen. So wird aus „das Smartphone ist nicht schwer“ ein „das Smartphone ist leicht.“


Kurzum – auf den Punkt gebracht

Zielen Sie mit Ihrer Kommunikation auf das, was Sie ausdrücken möchten. Benennen Sie klar und präzise, was Sie sich wünschen. Und dann sagen Sie es auch: „Rot! Stehenbleiben!“. 

Noch mehr zu einfacher, klarer, verständlicher und aktivierender Sprache lernen Sie in meinem Texterseminar. Das nächste Mal am 19. + 20.12.2017 in Düsseldorf.

Aus dem Seminar: 6 Methoden für Ihren Text

Texten ist kein Hexenwerk, sondern Handwerk. Und erlernbar. Jede(r) kann es. Auch wir haben uns gefragt: Wie ist Texter-Wissen vermittelbar? In 2 Tagen? Damit unabhängig der Vorkenntnis nach dem Texterseminar klare, präzise und verständliche Texte entstehen. Die Antwort: Eine Methodik, welche die typischen Anforderungen an Texter beachtet. In einem modularen Baukasten-System.
Hier sind die 6 Methoden der Textakademie

 

Hinweis in eigener Sache
Der Textertipp richtet sich an Texter und Texterinnen gleichermaßen. Und an solche, die es werden wollen. Keinesfalls möchten wir mit der Vereinfachung Personen ausschließen; schon gar nicht schreibbegeisterte Texterinnen. Deshalb unser Hinweis: Der Textertipp richtet sich an Personen allerlei Geschlechts.