Ihr Textertipp: Personifikation

Wenn Dinge zum Leben erweckt werden, taucht eine rhetorische Stilfigur auf: Die Personifikation verleiht Gegenständen menschliche Eigenschaften. Dann lacht die Sonne, die Zeit rennt oder die Grippewelle greift um sich. Was das mit Ihren Texten macht, sagt Ihr Textertipp.


Das Wichtigste zu Personifikationen:

  • Leblose Dinge werden greifbar, da bildhaft.
  • Die Vorstellung abstrakter Dinge steigt enorm.
  • Informationen werden verständlicher, das Lese-Tempo steigt.
  • Texte werden leichter, da eingängiger.  


Definition
Personifikation
Leblosen Dingen wird Leben eingehaucht, sie werdenvermenschlicht“. Sachen, Tiere oder Pflanzen werden mit menschlichen Eigenschaften verknüpft, die ganz und gar untypisch für sie sind: der Himmel kann nicht weinen, die Stadt nicht schlafen. Und dennoch tauchen diese Verknüpfungen in Texten aller Art auf. Doch wieso nur? Sind es sprachliche Unkorrektheiten, die dem Texter nicht auffallen? Mitnichten! Personifikationen werden ganz bewusst in Texten untergebracht. Weil sie eine sprachliche Botschaft entfalten.

Die Wirkung von Personifikationen

1. Abstraktes wird greifbarer
Häufig mogelt sich eine technische Beschreibung in den Produkttitel und kommt ohne Zusatz in Online-Shop, Katalog oder Flyer: XT 400. Das wirkt abstrakt, ohne Aussage und kann alles sein. Es ist unklar, dass es eine Funktionshose für den fleißigen Handwerker ist. Erst der Zusatz „Ihr treuer Geselle“ löst den Titel auf und lässt XT 400 in Vergessenheit geraten: 


2. Texte werden lesbarer und schneller erfassbar
Die Lese-Geschwindigkeit steigt, wenn wir auf Bekanntes und Vertrautes stoßen. Das bringt automatisch undeutliche Begrifflichkeiten in die Lebenswelt der Leser und sehr nahe an eine bildhafte Sprache. Und diese gilt als Mittel Nummer eins gegen Abstraktes und als Königsweg für verständliche und einfache Sprache.  Übrigens ist die Personifikation den bildhaften Vergleichen sehr nahe. Meist sind sie kürzer und bringen Farbe in den Text via Verb oder Adjektiv, wohingegen bei einer Metapher ein Bedeutungsübertrag stattfindet: Zwei Dinge werden verbunden, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: Nach der Nadel im Heuhaufen zu suchen meint,  dass eine Aufgabe beinahe nicht zu schaffen ist. 

Mehr zu bildhafter Sprache bzw. Metaphern lesen Sie in diesem Textertipp.


Personifikation
in der Werbung
Wo Wörter schnell wirken müssen und die Aufmerksamkeits-Spanne begrenzt ist, zählt Tempo. Die Information muss verständlich sein und einen Wieder-Erkennungseffekt bieten. Bildhafte Sprache ist hier äußerst willkommen. Sie erklärt nicht nur ein Produkt, sondern macht es erlebbarer und greifbarer. Und eine Personifikation bringt einfach und schnell Zusatznutzen unter oder deutet diesen an: Dann gibt die klügere Zahnbürste nach.

Personifikation im Schreibgebrauch
In der Alltags-Korrespondenz wirken Personifikationen befreiend. Sie entledigen großen Ballast, zeigen Leichtigkeit und bringen Emotionalität in den Text. Hier gilt jedoch: nicht übertreiben! Auch hier macht die Dosis das Gift. Passen Sie Ihren Schreibstil dem Anlass an. Ernste Mitteilungen verdienen keine Prosa. Überreizen Sie es nicht, auch wenn die Personifikation viel Schreiblust mit sich bringt. Einmal davon infiziert, findet sich plötzlich in jedem Satz dieses Stilmittel. Das ist des Guten zu viel. Auf einen Satz mit Personifikation sollten zwei Sätze ohne folgen.

 

Personifikation: In welchen Text-Elementen einsetzen?
Weil Sie hier mit einem starken Stilmittel arbeiten, verdient es auch den besten Rang. Heißt konkret: Gut aufgehoben ist die Personifikation in Dachzeile, Headline oder Subline. Diese Zeilen sind per se aufmerksamkeitsstark und werden mit den richtigen Worten verstärkt. Zu einer Personifikation greifen Sie immer dann, wenn Abstraktes einen deutlichen Übertrag haben muss. Dann eignen sich auch Slogans dazu; insbesondere die TV-Kampagnen bedienen sich dieser Möglichkeit („Der Käse, der aus der Reihe tanzt“.)

Zusätzlich taucht die Personifikation auch im Fließtext auf. Am besten nicht versteckt zwischen den Zeilen, sondern gleich zu Beginn eines Absatzes: Um so die Lesekurve und -motivation zu erhöhen und auf diesem Level für die nächsten Zeilen zu halten. Übertragen auf einen Online-Shop heißt das: die Personifikation steht gleich zu Beginn und leitet so über komplizierte Zusammenhänge, weil das Bild einige Zeit im Kopf bleibt und eine Rückkopplung zwischen technischer Aufzählung und eingängiger Personifikation geschieht.

Kurzum – auf den Punkt gebracht

Die Personifikation (auch Personifizierung genannt) macht Texte und Sprache lebendiger. Der Leser erfasst den Inhalt schneller und wird einem solchen Text mehr Begeisterung entgegenbringen, als einer abstrakten Abhandlung. Gleichzeitig erhöhen Personifikationen schlagartig die Aufmerksamkeit und sorgen so für mehr Lese-Interesse.

Noch mehr zu einfacher, klarer, verständlicher und aktivierender Sprache lernen Sie in meinem Texterseminar. Das nächste Mal am 28. + 29.11.2017 in München.

Aus dem Seminar: 6 Methoden für Ihren Text

Texten ist kein Hexenwerk, sondern Handwerk. Und erlernbar. Jede(r) kann es. Auch wir haben uns gefragt: Wie ist Texter-Wissen vermittelbar? In 2 Tagen? Damit unabhängig der Vorkenntnis nach dem Texterseminar klare, präzise und verständliche Texte entstehen. Die Antwort: Eine Methodik, welche die typischen Anforderungen an Texter beachtet. In einem modularen Baukasten-System.
Hier sind die 6 Methoden der Textakademie

 

Hinweis in eigener Sache
Der Textertipp richtet sich an Texter und Texterinnen gleichermaßen. Und an solche, die es werden wollen. Keinesfalls möchten wir mit der Vereinfachung Personen ausschließen; schon gar nicht schreibbegeisterte Texterinnen. Deshalb unser Hinweis: Der Textertipp richtet sich an Personen allerlei Geschlechts.