Ihr Textertipp: Die richtigen Wörter finden


Es liegt auf der Zunge, schafft es aber nicht in den Text: Weil der richtige Ausdruck bzw. das passende Wort just in diesem Augenblick fehlt. Was hilft? Das zeigt Ihr Textertipp.

 

 

Das Wichtigste zum Thema: Die richtigen Wörter finden

  • Nicht unter Druck setzen. Oft kommt das gesuchte Wort nach einer Weile wie von selbst. 
  • Helfen Sie sich mit Synonymen und umschreiben Sie. So beschleunigen Sie die Wortfindung.
  • Bei Ersatzwörtern bewerten Sie, ob das neue Wörtchen zum Textstil passt. 
  • Nehmen Sie die Stimmung einer Aussage auf und texten Sie authentisch und empathisch.


Das Zungenspitzenphänomen

Wenn etwas auf der Zunge liegt, aber den Mund nicht verlassen will, ist ein eigentlich bekanntes Wort nicht verfügbar. Meistens fällt uns das gesuchte Wort wie von selbst wieder ein. Mit einer Sprach- oder Sprechstörung hat das in den meisten Fällen nichts zu tun. Und doch zerbrechen wir uns den Kopf darüber und mühen uns, das gesuchte Wörtchen endlich zu finden. 

Zweifel sind allerdings unangebracht. Die häufige Ursache für dieses Phänomen: Nach selten gebrauchten Wörtern suchen wir länger. Was dagegen häufig abgerufen wird, ist sofort verfügbar.

Noch mehr Tipps


1. Umschreiben Sie

Halten Sie das zu suchende Wort mit einer Umschreibung fest. Suchen Sie also nach einem anderen Wort. Ein Synonym hilft, den Gedankenprozess zu entschlacken. Und es nimmt Druck. Später ist das Synonym vielleicht doch das treffende Wort. Oder das eigentlich gesuchte schafft es zurück in die Erinnerung. So sehr die Freude auch über die Rückkehr eines verlorengegangen Wortes ist: Schreiben Sie es gleich auf! Ehe es wieder weg ist.

2. Wortschatz erweitern

Schauen Sie nach links wie rechts und vor allem über den berühmten Tellerrand hinweg. Lesen Sie. Möglichst viel. Online wie offline: Blogs, Nachrichten, Kurzgeschichten, Fachliteratur. Stöbern Sie beim Wettbewerb, schauen Sie sich die Online-Präsenz Ihrer Zielgruppe an. Wagen Sie sich an Lyrik und anspruchsvolle Literatur. Wieso? Um den eigenen Fundus zu erweitern und das Gefühl für die Tonalität weiter zu schärfen.

3. Hören Sie zu

Wie sagen es die anderen? Hören Sie nicht nur wegen Höflichkeit und Informationsaufnahme zu, sondern entdecken Sie andere Arten des Gesprochenen. Und überlegen Sie dann: Sind verwendete Wörter und Formulierungen exakter und treffender, als die bislang von Ihnen verwendeten?

4. Zeigen Sie Empathie

Versetzen Sie sich in die Lage der Lesenden hinein. Was ist gerade aktuell? Was bewegt, was kümmert und bekümmert sie? Wie bietet der Text eine Lebenserleichterung? Wie macht das Produkt oder die Dienstleistung das Leben besser?

Empathie zu zeigen ist dann umso wichtiger, je bedeutsamer der Text ist: Einem Glückwunsch-Schreiben merkt man an, ob es rein die Pflicht erfüllt, oder ob das Geschriebene von Herzen kommt. Eine Zahlungserinnerung kann höflich auf ein Versäumnis hinweisen und Hilfe anbieten. Die Kondolenz muss aufrichtig erteilt werden. Fragen Sie sich also: Würden Sie das, was Sie da geschrieben haben, auch selbst gerne lesen? Gefällt Ihnen der Stil? 

Bitte denken Sie daran:

Achten Sie darauf, dass das Wort zum Textstil passt

Wenn sich in einem schlichten Satz zu viele Fremdwörter tummeln, stimmt etwas nicht. Weil das so überhaupt nicht zum Rest des Textes passt.

Wird das Wort von der Zielgruppe verstanden

Haben Sie ein Ohr bei Ihrer Zielgruppe. Damit Sie wissen: Wie spricht sie? Mit welchem Vokabular und welchen Ausdrücken? Übernimmt sie die Fachsprache oder sucht sie nach anderen Wörtern? Greifen Sie auch auf gängige Abkürzungen zurück, wenn sich diese durchgesetzt haben. Universal Serial Bus verwirrt ausgeschrieben, weil es geläufiger unter USB ist. 

Konkretisieren Sie, wann immer es geht

Viele Substantive schärfen nicht den Ausdruck, sondern wirken leer. Wörter wie Maßnahmen, Leistung, Wert, Service wirken allumfassend und komplex, aber nicht treffend. In Stilfibeln werden sie unter dem Stichwort der Nominalisierung geführt. Das sind Begriffe, deren Ausdruck nicht spür-, anfass- oder hörbar sind und deshalb als Worthülsen gelten. Oder anders gesagt: Begriffe, die verallgemeinern und generalisieren.

Überlegen Sie, welche Absicht sich hinter nichtssagenden Begriffen verbirgt. Und schreiben Sie konkret: Was verbirgt sich hinter dem Wort Maßnahmen? Schützen Sie damit die IT vor unerlaubten Zugriffen? Werden damit Anfragen vom Kundenservice noch schneller beantwortet?

Nutzloses streichen und auf Überflüssiges verzichten

Anmieten, überprüfen, zukünftig, abändern, durchlesen, abklären, … Präfixe verlängern die Aussage, präzisieren sie aber nicht. Wenn Sie nach passenden Worten suchen, fragen Sie sich auch: Geht es treffender und konkreter? Dann heißt es plötzlich im Text: mieten, prüfen, künftig, ändern, lesen, klären,Das gilt auch bei den Nachsilben. Die Endungen -weise oder -mäßig signalisieren Handlungsbedarf. Dann wird aus praktischerweise praktisch, aus verkehrsmäßig viel Verkehr oder viel los.

Bewerten Sie Synonyme

Synonyme helfen, das gesuchte Wort zu ersetzen oder es über Umwege wieder zurück in die Erinnerung zu rufen. Achten Sie darauf, dass das Ersatzwort zum Ausdruck des restlichen Textes passt. Auf Synonyme greifen Sie dann zurück, wenn die Textaussage nicht verfälscht wird. 

 

Kurzum – auf den Punkt gebracht

Wie auch bei Schreibblockaden gilt: Verkrampfen Sie nicht. Das befreiende Gefühl, wenn das gesuchte Wort wieder da ist, erreicht uns sicher. Bis dahin helfen einfache Techniken, um der Suche auf die Sprünge zu helfen. 

Noch mehr zum Thema gibt’s im Texterseminar. Zum Beispiel am 12. + 13.06. in Frankfurt.

Aus dem Seminar: 6 Methoden für Ihren Text

Texten ist kein Hexenwerk, sondern Handwerk. Und erlernbar. Jede(r) kann es. Auch wir haben uns gefragt: Wie ist Texter-Wissen vermittelbar? In 2 Tagen? Damit unabhängig der Vorkenntnis nach dem Texterseminar klare, präzise und verständliche Texte entstehen. Die Antwort: Eine Methodik, welche die typischen Anforderungen an Texter beachtet. In einem modularen Baukasten-System.
Hier sind die 6 Methoden der Textakademie

 

Hinweis in eigener Sache
Der Textertipp richtet sich an Texter und Texterinnen gleichermaßen. Und an solche, die es werden wollen. Keinesfalls möchten wir mit der Vereinfachung Personen ausschließen; schon gar nicht schreibbegeisterte Leserinnen. Deshalb unser Hinweis: Der Textertipp richtet sich an Personen allerlei Geschlechts.