Anschriften und Anreden

Mitten in einem Projekt zur Überarbeitung der Korrespondenz kam die Frage: Wie spricht man eigentlich korrekt an? Diese Frage lässt sich für Standardfälle einfach mit der DIN-Norm 5008 beantworten. Ganz anders bei Spezialfällen. Wir machten uns zunächst im Internet auf eine unerwartet komplizierte Suche nach verlässlichen Antworten. Hier ist (im Auszug), was wir gefunden haben ...

Jeder weiß es: Das wichtigste Wort für einen Menschen ist sein Name. Das Bild, das sagt ICH. Und dass wir ihn richtig schreiben, ist einfach eine Grundvoraussetzung für das Direktmarketing und die dringendste Anforderung an die Datenbank. Schreiben Sie den Namen Ihres Kunden oder Wunschkunden falsch, beschädigen Sie sein "Lieblingsbild".

Doch was ist eigentlich mit dem Drumherum? Rund um den Namen bilden wir weitere Worte. Mal mehr, mal weniger richtig. Rechnen Sie auch Anrede und Anschrift dem Namen Ihres potenziellen Kunden zu. Wenn das Bild, das sagt ICH, gefallen soll, müssen auch Hintergrund und Rahmen stimmen.

Die Standards und erste "Titelei":
Sehr geehrte Frau Müller
oder
Sehr geehrter Herr Schmidt

Mit Doktortiteln:
Sehr geehrte Frau Dr. Müller
oder
Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt

Akademische Diplome wie z. B. der Dipl.-Ing. oder der Dipl.-Psych. haben in der modernen schriftlichen Anrede nichts zu suchen. Sie tauchen allenfalls in der Anschrift auf, manchmal einfach als Höflichkeit vor der älteren Generation.

Nun sind aber Müller und Schmidt Professoren. Schmidt gleich mit einem ganzen Sammelsurium von Titeln. So ist Schmidt eigentlich Dr. med. und Dr. h.c., also ein Professor Dr. Dr. Die Titelei erscheint wiederum nur im Adressfeld. In der schriftlichen Anrede wählt man den höchsten Titel. Also:

"Sehr geehrter Herr Professor Schmidt".

Wichtig: Der Professor wird ausgeschrieben (nicht abgekürzt in Prof.). Übrigens können heute akademische Grade auch in die weibliche Form umgesetzt werden: "Sehr geehrte Frau Professor Müller" oder "Sehr geehrte Frau Professorin Müller".

Zwei auf einen Streich - Anreden im Paarlauf 
"Liebe Luise und Hans" eröffnen Sie Ihren Brief - und stolpern schon über eine Stilregel. Auch private Anreden sprechen Ihren "Briefpartner" direkt an: "Liebe Luise, lieber Hans ..."

"Liebe Müllers" schreiben Sie. Und haben damit in Ihrem Brief eine recht vertrauliche Form gewählt. Korrekt, herzlich und ein wenig mehr distanziert: "Liebe Frau Müller, lieber Herr Müller". Übrigens ist ein "lieber" durchaus im Geschäftsbrief vorstellbar, wenn hier eine enge Beziehung besteht.

Ganz sicher im Geschäftsbrief gehen Sie mit
Sehr geehrte Frau Müller,
sehr geehrter Herr Schmidt

Es gilt die Regel "Ladies first" - im Privat- und im Geschäftsbrief, wenn Sie an zwei in der Hierarchie gleichgestellte Personen schreiben. Schreiben Sie an "sie" und "ihn" in unterschiedlichen beruflichen Positionen, sprechen Sie den Chef zuerst an (und geben, um alles richtig zu machen, unter Umständen die schöne Regel "Ladies first" auf).

Also:
sehr geehrter Herr Vorschmidt,
sehr geehrte Frau Dannmüller

Übrigens: Die moderne Anschrift enthält heute auch im Privatbereich die Namen beider Partner. Vergessen Sie also "Herrn Dr. Willi Wagemuth und Gattin" im Adressfeld.

Hier steht:
Frau Berta Wagemuth,
Herrn Willi Wagemuth

Etwas konservativer, wenn "er" zuerst genannt wird - und die Standardform bei "Paarlauf" im internationalen Briefverkehr. Da erscheint er noch, der "Haushaltsvorstand". Übrigens können Sie beide Namen auch zusammenziehen: "Herrn und Frau Willi und Berta Wagemuth".

Das "Fräulein" ist tot 
Einige Anreden bzw. Zusätze der Anschrift sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Dazu zählt das "Fräulein" genauso wie "Eheleute", "Firma" oder "Fa.", "z. H." oder der Vorsatz "An".

An die Fa.
Textakademie GmbH

wird im Anschriftenfeld einfach
Textakademie GmbH

An die Eheleute Schmidt

Wird zu
Frau Anja Schmidt
Herrn Rudolf Schmidt

Der Adel - wie sprechen Sie ihn an 
Nur wenige Texter treiben sich in der Welt des Adels und Hochadels herum. Doch Ihrer Datenbank ist das egal. Ist der Herr Graf Kunde oder Geschäftspartner geworden, brauchen Sie klares Wissen um die korrekte Anrede. Prinz, Prinzessin, Herzog und Herzogin, Graf und Gräfin, und, und, und. Wie schreiben Sie adelige Kunden richtig an?

Ihr Brief richtet sich an

"Herrn (Dr.) Peter Prinz von Wörterstein" und Sie beginnen Ihr Schreiben mit
"Sehr geehrter Dr. Prinz von Wörterstein".

Genauso geht´s bei Herzögen, Fürsten, Grafen und Baronen. Hier lassen Sie in der Anrede Herr/Frau einfach weg. Und wie würden Sie Freifrau und Freiherrn, Baron und Baronin bzw. den Ritter ansprechen

Freifrau/Freiherr/Ritter
Anrede: Sehr geehrte Frau (Dr.) von Buchheim
Sehr geehrter Herr Dr. von Buchheim

Anschrift:
Frau (Dr.) Luise Freifrau von Buchheim
Herrn (Dr.) Franz Freiherr von Buchheim
Herrn (Dr.) Phillipp Ritter von Buchheim

Übrigens: Alternative bei Freifrau und Freiherr, um die Doppelung Herrn/Frau zu vermeiden:
Freifrau Dr. Luise von Buchheim
Freiherrn Dr. Franz von Buchheim

Ähnlich verfahren Sie mit Baron und Ritter:
Sehr geehrter Herr (Dr.) von Lesestein oder: Sehr geehrter (Dr.) Baron Lesestein
Herrn Dr. Friedrich Baron Lesestein

Kleine Anrede, große Wirkung 
Übrigens ging es in dem genannten Projekt mit dem Thema "Anrede" um bares Geld in Form von Programmierstunden. Denn der umfangreiche Schriftverkehr sollte aus einer neuen Datenbank korrekt an die Kunden gehen. Damit wurde ein Sammelsurium von Programmen und Listen korrigiert und in neue Form gebracht.

Wer Ähnliches erlebt und weitere Details benötigt: Hier ist ein Literaturtipp zum Thema. Peter Wolff: Anreden und Anschriften. Berlin 2000 (Urania).