Ihr Textertipp: Feedback geben

Gefällt mir nicht“ ist ein persönlicher Eindruck, aber kein Feedback. „Gefällt  mir nicht, weil ...“ ist schon besser. Aber: Wie  geht konstruktives Feedback? Was muss der Kritiker sagen und was der Texter hören? Der Textertipp hilft beiden Seiten.

Die Rückmeldung sichert ab

Selten kommt ein Text ungeprüft davon: Entweder muss ihn eine andere Stelle absegnen, man selbst bittet den Kollegen um eine fachliche Einschätzung oder das interne Qualitätsmanagement befasst sich eingehend damit. Und das Warten beginnt: auf Rückmeldung, das Okay, Änderungswünsche oder kurz gesagt: Feedback.

Das dann immer anders und neu verpackt daherkommt. Mal kurz und knapp, mal ausschweifend, mal vernichtend, mal lobend, mal nichtssagend. Dabei sehnen wir uns nach nichts so sehr wie nach fundierten und klar formulierten Ansagen: Wieso der Text krankt, wieso die Argumentation humpelt, wieso an Zielgruppen vorbeigeschrieben wird, oder: dass alles passt.

Eine Einschätzung gehört einfach dazu. Sie sichert ab und macht Texte besser. Denn wie oft sehen wir vor lauter Buchstaben den Text nicht mehr? Und übersehen Stilfehler, logische Sprünge und argumentative Schwächen? Feedback zum eigenen Text ist wertvoll. Und hilft, Fehler aufzudecken, ehe sie sich tief in den Text (und im eigenen Schreibstil) vergraben.

Feedback muss nicht an den fertigen Text gerichtet sein. Es hilft, auch „Zwischenstände“ an den Schreibtisch nebenan zu reichen. Ehe man sich in eine falsche Richtung festschreibt. Auch wenn es schwer fällt, Texte früh aus der Hand zu geben: Wagen Sie es – und lassen Sie prüfen.

Wie muss Feedback sein?

Ehrlich. Fachlich fundiert. Auf den Punkt. Jedoch nicht per Informations-Stakkato, sondern mit den richtigen Worten formuliert. Denn Feedback heißt auch lernen, um Textfehler künftig zu vermeiden. Feedback-Gespräche sind ein wichtiger Teil im Lernprozess. Wie soll es der Kollege besser machen, wenn ihm die schroffe Anweisung „falsche Headline“, „unpassender Einstieg“ entgegen geschmettert wird? Eben! Hier kann nur auf gut Glück getauscht werden. Mehr (leider) nicht.

Feedback begründet und sagt, was Sache ist

Feedback ist sachlich und klar formuliert. Feedback ist keine Diskussionsrunde. Und soll auch kein persönlicher Angriff sein oder zu einem werden. Das heißt für den Feedback-Geber: Ruhig und klar über den Text argumentieren – und nicht über den Verfasser urteilen. Denn der Texter muss erfahren, ob und an welcher Stelle der Text Missverständnisse hervorruft oder gar falsch verstanden wird. Für den Feedback-Nehmer: Zuhören und keine Rechtfertigungs-Orgie starten. Noch besser, wenn er dem Feedback-Geber die Rolle des Testlesers zuspricht – und in ihm eine ehrliche und kompetente Testperson sieht, die Anmerkungen zugunsten des Textes gibt.

Damit Feedback funktioniert, sind hier ein paar Tipps:

Persönliche Befindlichkeiten abschalten

Auch wenn hier zwei Meinungen aufeinander treffen, sind persönliche Befindlichkeiten tabu. Nicht über den Autor, sondern über den Text sprechen! Das gilt auch für das Feedback: Es ist vorwurfsfrei. Kommt aber der Feedback-Geber zum Schluss, dass grundsätzliche Elemente im Text wiederholt missachtet werden, muss grundsätzlich darüber nachgedacht werden: Ist die Aufgabe klar gestellt? Ist das Briefing eindeutig? Fehlen wichtige Informationen bei Projektstart? Ist der Verfasser für die Aufgabe geeignet?

Richtig kritisieren

Natürlich ist es für den Feedback-Geber immer einfacher, die Schwachstellen im Text ausfindig zu machen: denn Negatives sehen wir immer vor Positivem. Aber: das beste Feedback kommt immer noch gut verpackt daher. Es zeigt nicht nur die Schwächen auf, sondern lobt auch gelungene Textstellen. Verbesserungs-Vorschläge werden eher angenommen, wenn das Feedback-Gespräch auch positive Aspekte hervorhebt. Die sogenannte „Sandwich-Theorie“ sagt: Negative Kritik wird von zwei positiven Schichten ummantelt.

Begründen

Nur wer weiß, aus welchem Grund etwas getan wird, versteht. Und wird Texte entsprechend ausrichten. Ein einfaches Beispiel: Wenn der Text unverständlich ist, ist der Ausruf „das versteht niemand“ fehl am Platz. Ergänzt mit „die Sätze sind zu lang“ wird schon klarer, was getan werden muss.

Leichter Feedback geben mit der Feedback-Schablone

Feedback-Gespräche brauchen ein Gerüst. Meinungen „aus dem Bauch heraus“ oder Schnellschüsse werden so gezielt eingedämmt. Gut für Feedback-Geber und -Nehmer: Beide wissen, dass Texte nach klaren Merkmalen „gescannt“ und durchgesprochen werden. Also nach Textaufbau bzw. Struktur, Verständlichkeit, Ausgestaltung, Stil und Sprache, Reaktionsverstärkern.

Wichtige Elemente der Textgestaltung
:

Einfacher Stil

Struktur + Sprache

• Textlänge: Max. 3-4 Absätze

• Klare Struktur, keine    (Wort-)Wiederholungen

• Absatzlänge: 3-5 Zeilen

• Sind Argumente klare Vorteile?

• Satzlänge: ∅ 14 Wörter

• Hervorhebungen

• Wortlänge: nicht mehr als 4-5    Silben

• Ausgearbeitete, logische Sinnkette?

• Hauptwörter und    Substantivierungen

• Wirft der Text (ungewollte) Fragen    auf?

• Hilfsverben und Konjunktive

• Wo entstehen Unklarheiten +    Einwände?

Reaktion

Tonalität + Zielgruppe

• Gibt es ein Reaktions-Element /    Reaktions-Verstärker?

• Modewörter & Fachsprache: Für    die Zielgruppe verständlich?

• Wird die Reaktion einfach und    schnell eingefordert?

• Wird das verwendete Vokabular    verstanden?

• Wo verstecken sich
   Reaktions-Hürden?

• Passt die Tonalität zur Zielgruppe?

• Wo (auf dem Weg zur    Bestellung) stolpert der Leser?

• Erreicht das Medium die    Zielgruppe?

Natürlich ist diese Aufzählung nicht uneingeschränkt auf jeden Text anwendbar. Sie ist aber ein erster Schritt in Richtung Feedback-Schablone und soll helfen, strukturiert Meinungen zu bilden und dem Feedback-Nehmer klare Empfehlungen zu geben. Kurz: Ansatzpunkte für die Text-Überarbeitung zu liefern.

Kurzum – auf den Punkt gebracht

Feedback anzunehmen, ist nicht immer leicht. Texters Ego ist zuweilen sehr ausgeprägt und die Reaktion auf Kritik facettenreich: Sie reicht von abweisend, gleichgültig bis beleidigt. Natürlich tut’s weh, wenn der Rotstift den Text nach allen Regeln der Kunst zusammenstreicht. Aber: Text-Feedback kritisiert nicht die Person, die hinter einem Text steckt. Es geht um die sachliche und fachliche Aufarbeitung. Und um Lob!

Was Sie im Schreibprozess unbedingt beachten müssen und wie Sie mit Methode starke Texte verfassen, lernen Sie im Texterseminar. Zum Beispiel das nächste Mal am 21. + 22.09.2016 in Stuttgart.