Ihr Textertipp: Aufmerksamkeit mit Hervorhebungen steuern

Was einfach erfassbar ist, wird wahrgenommen. Ein übersichtlich gestalteter Text ist lesefreundlicher als ein unformatierter und gewaltiger Textblock. Wie Sie Informationen schnell vermitteln, Text-Einstiege erleichtern und die Lesbarkeit verbessern, sagt Ihr Textertipp.

Bilder, Buttons, Icons, Grafiken und Farben lockern auf und brechen Informationen in Schaubilder herunter. Sie sind beliebte Konzeptions- und Gestaltungselemente. Mitunter erklären sie sehr schnell, ergänzen Informationen oder bringen auf den Punkt, was der Text weiter ausführt. Gut gemacht beschleunigen sie die Kommunikation, bieten sinnvolle Quereinstiege und wecken unsere Aufmerksamkeit.

Auch die Typographie bietet viele Möglichkeiten, Botschaften einfach und schnell zu vermitteln. Eine davon: die Hervorhebung mittels Fettdruck. Diese Formatierung markiert und betont Aussagen bzw. einzelne Wörter gegenüber dem restlichen Text. Sie gibt Orientierung, leitet durch den Text, verbessert Lesbarkeit und erhöht Lesegeschwindigkeit.

Dem Auge Halt geben

Studien zum Leseverhalten beweisen, dass unser Auge deutlich sichtbare Ankerpunkte benötigt, um sich zu orientieren. Typographisch gelöst wird das (meist) per Fettdruck, der nicht immer „Schwarz auf Weiß“ im Dokument erscheinen muss. Auch Farbe kann Schwarz ablösen, wenn es nicht zu bunt wird. Wichtig hierbei: Ja nicht zu blass – sondern Farbe kräftig auftragen. Eine gute Lösung: Fettdruck und Farbe.

Oder anders gesagt: Mit Hervorhebungen steuern wir ganz gezielt, wie sich jemand durch den Text bewegt. Und ob er überhaupt in den Text einsteigt. Denn niemand wird sich chronologisch von Anfang bis Ende durcharbeiten und Information für Information in aller Ruhe auswerten. Texte – offline wie online – werden zunächst auf der Suche nach relevanten Inhalten überflogen. Hier zählen Stichwörter, die die Aufmerksamkeit des Lesers erregen und in den Text ziehen.

Viel hilft nicht immer viel

Nun gibt es immer wieder das seltsame Verlangen, im Text ganz viel auf einmal hervorzuheben: Weil alles irgendwie gleich wichtig erscheint? Weil wir uns nicht entscheiden können, was nun wirklich richtig wichtig ist? Aber was geschieht nun mit dem Text? Eben: gar nichts! Denn wird beinahe alles per Fettdruck markiert, tritt die Hervorhebung in den Hintergrund. Was geschieht? Die nicht hervorgehobenen Wörter werden plötzlich betrachtet. Der Effekt wird einfach umgedreht. Schuld daran: Das Ausnahmegesetz: Gerade das, was aus der Reihe fällt oder tanzt, hat den stärksten Effekt.

Gut gemeint, aber doch falsch: Hervorhebungen, die nichts aussagen

Gesehen, gelesen, aber doch nicht reagiert? Da ist der Text wohlformuliert, nennt Vorteile wie Nutzen, ist nicht überladen, fordert Reaktion ein – und doch scheint hier irgendetwas nicht zu stimmen. Genau! Denn beim ersten Überfliegen nehmen wir nur wahr: „Holzhandel Musterhausen“, „Besuch“, „Material“.

So oder so ähnlich machen es viele Texte. Auch wenn möglichst häufig der eigene Firmenname hervorgehoben wird, weiß der Leser zwar, wer schreibt, aber nicht was. Das heißt: Bevor ein Text druckreif ist oder veröffentlicht wird, sollte er kritisch geprüft werden hinsichtlich Hervorhebungen und der vermittelten Vorteilskette. Fragen Sie sich: Was wird mitgeteilt? Echte Vorteile oder nur inhaltsleere oder gar immer dieselben Stichworte? Ergibt sich beim Querlesen der grobe Inhalt? Wird der Leser von Vorteil zu Vorteil geleitet?

So bitte nicht

Wörter im Brief unterstreichen. Alles, was unterstrichen ist, deuten wir als Verweis ins Internet. Unterstreichungen sind heute E-Mails oder Webseiten vorbehalten. Außerdem schneiden sie das Schriftbild bei Buchstaben mit Unterlänge ab, so bei g, j, p, q und y. Ausnahme und Kompromiss: Der firmeninterne Textbaukasten arbeitet mit dieser Formatierungsfunktion, kennt also nicht den Fettdruck als Hervorhebung. Dann sind Unterstreichungen allemal besser als zum Beispiel die Kursivstellung einzelner Wörter, da diese die Lesegeschwindigkeit drosselt.

Hervorhebungen in der alltäglichen Korrespondenz

Kundenbriefe schreiben wir zu allen möglichen Anlässen. Hier werben wir nicht mehr, sondern informieren und kommunizieren mit dem Kunden. Ein oft angebrachtes Argument: Hervorhebungen haben werblichen Charakter und vermitteln den Eindruck, dass hier jemand etwas verkaufen möchte.

Wir möchten Texte aber beschleunigen, Botschaften und Aussagen sichtbar machen und den Empfänger schnell durch den Inhalt führen. Es ist vielmehr Dienst am Kunden, wenn wir damit Wichtiges bewusst hervorheben. Das mach das Lesen ein wenig einfacher.

Unstrukturierte Kundenbriefe dagegen strengen zu sehr an – und machen wenig Lust aufs Lesen. Machen Sie sich also darüber Gedanken, welche Aussagen sinnvoll für Hervorhebungen sind und den Textinhalt schnell transportieren. Präsentieren Sie dem Leser die Informationen portionsweise.

Kurzum – auf den Punkt gebracht

Hervorhebungen sollten Sie nicht inflationär einsetzen – der Effekt der bewussten Betonung geht sonst verloren. Konzentrieren Sie sich auf einige wenige Markierungen, heben Sie einfache und gängige Wörter hervor, da diese schneller erfasst und ausgewertet werden können. Und denken Sie daran: Hervorhebungen sollen den Text schneller erfassbar machen – und nicht den Lesefluss behindern.

Was Sie im Schreibprozess unbedingt beachten müssen und wie Sie mit Methode starke Texte verfassen, lernen Sie im Texterseminar. Zum Beispiel das nächste Mal am 21. + 22.09.2016 in Stuttgart.