Ihr Textertipp: Hilfs- und Modalverben


Welcher Satz ist besser: „Heute möchten wir Ihnen mitteilen, dass es im Textertipp um Hilfs- und Modalverben geht“. Oder: „Heute geht’s um Modal- und Hilfsverben“. Einmal umständlich und sperrig, einmal schnell auf den Punkt. Wann wir Hilfs- und Modalverben zulassen und wann besser streichen, verrät Ihr Textertipp.

Hilfsverb vs. Modalverb: was ist eigentlich was?

In der deutschen Sprache werden Hilfsverben benötigt, für:

  • eine Partizipial-Konstruktion:
    „Massenweise Warnungen sind inzwischen in der Leitstelle empfangen worden.“
  • Eine Infinitiv-Konstruktion:
    „Ich hoffe, alles für den Erfolg getan zu haben.“

Mit den Hilfsverben haben“, „werden“ und „sein“ entstehen im Deutschen Perfekt, Passiv, Futur und Konjunktiv. Ersatzlos streichen ist hier der falsche Ansatz. Denn der Satz wäre um seine Aussage beraubt. Deshalb gilt hier: Passiv- und Konjunktiv-Konstruktionen vermeiden. Wenn Sie aktiv auf Jemanden zugehen, tun Sie das auch in der Sprache. Schreiben Sie direkt, zeigen Sie Ihre Textaussagen und sagen Sie, was Sie vom Leser erwarten.

Wann und wo es geht: Modalverben ersetzen. Besser: streichen

Möchten", „müssen“, „dürfen“, „können“, „sollen“ und „wollen“ sind uns als Modalverben bekannt. Sie beschreiben die näheren Umstände bzw. koppeln das Subjekt eines Satzes an eine Absicht oder Eigenschaft:

Möchten  Wunsch:  Ich möchte um eine Antwort bitten.
 Ablehnung:  So möchte ich das nicht!
 Absicht:  Ich möchte morgen trainieren.
 Vermutung:  Ich möchte annehmen, dass der Winter bald vorbei ist.
Müssen  Notwendigkeit:  Wir müssen Ihnen heute mitteilen, dass ...
Dürfen  Erlaubnis:  Dürfen wir Ihnen vorab einen Platz reservieren?
Können  Fähigkeit:  Sie können die Reservierung auch selbst vornehmen.
Sollen  Auftrag:  Sollen wir das Sofa wie gewünscht morgen liefern?
Wollen  Wille:  Sie wollen den Auftrag stornieren?

Vorsicht Stolpersteine

Modal- und Hilfsverben (der Konjunktiv sowieso) verlängern Sätze und verwässern Aussagen. Weil sie die eigentliche Aussage ans Textende setzen. Sie strengen an, weil es für das Textverständnis mehr Lese-Aufwand bedeutet. Schade, wenn ungeduldige oder flüchtige Leser mitten im Satz stoppen, weiterspringen und das Ende nicht mitbekommen. Oder die Lese-Energie und die Aufmerksamkeit mit jedem weiteren Satz schwinden, bis die Lese-Lust völlig abhandenkommt. Und der Text dann keine weitere Bedeutung hat, weil er nicht gelesen wird.

Wo Verständlichkeit Trumpf ist und Tempo gefordert ist, tun Texter alles und entfernen Stolpersteine aus ihren Werken. Immerhin sprechen wir hier von Werbung, die niemand lesen muss und nicht von einem Roman, in dem wir ganz bewusst und gerne schmökern.

Wenn eine frohe Botschaft entzerrt wird, ist das traurig:
Wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir uns über eine Zusammenarbeit sehr freuen würden.

Besser:
Wir freuen uns sehr auf unsere Zusammenarbeit.


Damit ein Text flüssig bleibt, verzichten wir auf die unnötige und übernatürliche Häufung von Modal- und Hilfsverben. Dann fallen auch Konjunktiv-Konstruktionen aus dem Text. Meistens können Modalverben ersatzlos gestrichen werden:

Aus „Ich möchte um eine Antwort bitten“ wird „Ich bitte um eine Antwort“. 

Die Ausnahmen

Natürlich können nicht immer alle Modalverben gestrichen werden. Das beste Beispiel dafür ist die Verwendung von „können“, wenn eine Möglichkeit angezeigt wird, ohne sich konkret darauf festzulegen bzw. keine Blanko-Versprechen möglich sind:

„Sie können bis zu 1,95 % Zinsen erzielen.“

Oder es um eine Fähigkeit geht: 

„Sie können auch einen anderen Weg zu Ihrem Ziel nehmen.“

Zweite Ausnahme: Wenn Sie besonders höflich wirken (möchten). Dann sind Modalverben durchaus berechtigt, wenn sie nicht überhand nehmen und zur Gewohnheit werden: „Natürlich können Sie mich jederzeit anrufen“.

Modalverben + Infinitiv. Oder: Bläher mit treuem Begleiter

Sie sind meist untrennbar miteinander verbunden und die eine Form gibt’s selten ohne die andere. Gleichzeitig ein sicheres Zeichen dafür, dass sich hier ein Modalverb im Text eingenistet hat:

„Es würde uns freuen, Sie als unseren Gast begrüßen zu dürfen.“

Minus Infinitiv und Modalverb wird daraus: „Wir freuen uns auf Sie“.
Oder: „Gerne begrüßen wir Sie als unseren Gast.“

Nicht immer gelingt es, nur zu streichen. Damit die Aussage ihren Sinn und ihre Aussage behält, muss umgestellt oder -umformuliert werden: damit aus Passiv Aktiv wird.

Kurzum – auf den Punkt gebracht

Prüfen Sie Ihre Texte nach Passiv- und Konjunktiv-Konstruktionen, sowie nach Modalverben. Streichen Sie „möchten“, „müssen“, „dürfen“, „können“, „sollen“ und „wollen“ ersatzlos.  Außer wenn damit eine Höflichkeit oder eine Fähigkeit gezeigt wird. Treten Sie in Ihren Texten sicher und überzeugend auf – und schwächen Sie nicht unnötig ab. Ersetzen Sie Modal- und Hilfsverben durch Vollverben, die bunter, präziser und griffiger sind. Schreiben Sie aktiv statt passiv. Und vor allem: Vermitteln Sie auf Anhieb, worum es geht.

Dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg und Freude. Und freue mich, wenn Sie Ihre Texter-Fähigkeiten noch weiter trainieren. Zum Beispiel im Texterseminar. Das nächste Mal am 21. + 22. Februar in München.