Wie Sie Reden schreiben

Mit einer Rede ist es genauso wie mit einem guten Text: Selten entsteht sie mit dem "ersten Wurf", sondern muss nach und nach überarbeitet und optimiert werden. Nur wenige halten ihre Rede spontan und fesseln den Zuhörer bis zum Schluss. Wie bei einem Text geht es hier darum, bewusst Highlights zu setzen und den Aufmerksamkeits-Level der Zuhörer hoch zu halten. Und weil auch die fesselndste Rede zuerst geschrieben werden muss, lesen Sie in Ihrem Textertipp heute viele Tipps und Tricks, wie Sie da herangehen.

Fast wie ein Verkaufstext …

Eine Rede hat erstaunlich viele Parallelen zur geschriebenen Sprache des Dialogmarketings: Richtig gut ist sie, wenn Sie den Zuhörer direkt ansprechen und ihn gedanklich führen. Der Spannungsbogen von Verkaufstexten greift auch hier: Nachdem etwas problematisiert wurde, kommt die Lösung. Auch das bildhafte Schreiben ist beiden Textformen gemeinsam: Komplizierte Sachverhalte formulieren Sie in Metaphern, die Bilder im Kopf des Lesers oder Zuhörers erzeugen.

Wie geht man Schritt für Schritt vor?

Um die Angst vor dem "leeren, weißen Blatt" zu vermeiden, kann in der Anfangs-Phase eine einfache Technik weiterhelfen. Schreiben Sie Ihr Thema in die Mitte eines Blattes und lassen Sie dann der Phantasie freien Lauf: Was fällt spontan zum Thema ein? Welche Assoziationen schwirren im Kopf herum? Schreiben Sie diese Ideen um das zentrale Thema. Für diese erste Stoffsammlung können Sie auch in Literatur und Internet recherchieren. Hilfreich ist es außerdem, andere Personen zu befragen. Anschließend suchen Sie sich die Stichpunkte heraus, die Ihnen wichtig sind. Schon haben Sie ein erstes inhaltliches Gerüst für Ihre Rede.

Vermeiden Sie einen Begrüßungsmarathon

Befinden sich viele Ehrengäste unter den Zuhörern, beginnen Reden oft mit einem enormen Begrüßungsteil. Um Ihre Zuhörerschaft nicht zu langweilen, sollten Sie die Begrüßung so kurz wie möglich halten. Heißen Sie zunächst den wichtigsten Gast namentlich willkommen und sagen Sie dann "meine Damen und Herren, liebe Gäste" – damit haben Sie alle begrüßt. Weitere Gäste, die Sie betonen möchten, sprechen Sie in der eigentlichen Rede an und wenn es inhaltlich passt.

Aller Anfang ist schwer …

Mit den ersten Sätzen entscheidet sich, ob Sie die Zuhörerschaft auf Ihre Seite ziehen. Deshalb sollte gerade Ihr Rede-Einstieg nicht trocken sein, sondern Lust auf "mehr" machen. Nehmen Sie zum Beispiel Bezug auf aktuelle Ereignisse. Politik und Sport bieten sich hier besonders an. Im Idealfall erzeugen Sie so ein starkes "Wir"-Gefühl.

Ein Zitat oder eine Anekdote, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Thema zu tun hat, weckt das Interesse der Zuhörer. Zitate, Sprüche und Redewendungen lassen sich zu nahezu jedem Thema im Internet finden. Seien Sie kreativ! Wichtig ist nur, dass die Gedankengänge in sich schlüssig sind und sich im Verlauf der Rede der Zusammenhang erschließt.

Struktur pur!

Ihre Rede muss vor allem leicht verständlich sein. Das gelingt am besten, wenn Sie Ihren Vortrag gut strukturieren und ein "roter Faden" zu erkennen ist. Denken Sie daran: Das Publikum hat den Text nicht in geschriebener Form vor sich und hört ihn zum ersten Mal. Bauen Sie Ihre Gedanken logisch aufeinander auf! Um einen guten Redefluss zu gewährleisten, gibt es viele Möglichkeiten, um zu ordnen. Wie zum Beispiel:

Problem - Lösung

Vergangenheit – Gegenwart - Zukunft oder

Ursache -Wirkung.

Jedes Thema hat allerdings seine eigene Dynamik und deshalb sind diese Modelle nur als Hilfestellung gedacht.

Verständlichkeit ist Trumpf!

Ein guter Redner formuliert seinen Vortrag nahe an der gesprochenen Sprache. Verabschieden Sie sich von der Meinung, Reden müssten mit Fremdwörtern gespickt sein und besonders gebildet klingen. Vergessen Sie nicht: Ihre Rede ist kein geschriebener Text! Vereinfachen Sie die Sprache bewusst und kürzen Sie Sätze. Denn künstliche Formulierungen und lange Schachtelsätze stehen der Verständlichkeit im Weg.

Der letzte Eindruck bleibt …

Wissen Sie noch, was J. F. Kennedy in seiner Berliner Rede alles ansprach? Das wissen nur die Wenigsten. Doch an die Schlussworte kann sich jeder erinnern: "Ich bin ein Berliner."

Die letzten Sätze sind die, die Ihren Zuhörern am ehesten im Ohr bleiben werden. Deswegen sollten Sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. Eine kurze Zusammenfassung Ihrer wichtigsten Gedanken zeugt zwar von guter Strukturierung, ist aber nicht sehr einfallsreich. Der Schluss muss ein strategischer Höhepunkt sein und den ganzen Redebeitrag noch einmal übertreffen. Dazu gibt es einige Anregungen:

1. Fordern Sie die Zuhörer zur Tat auf!

2. Beenden Sie Ihre Rede positiv!

Schließen Sie Ihre Rede positiv, selbst wenn Sie über ein ernstes Thema referiert haben. Eine angenehme Grundstimmung hebt die Zufriedenheit der Zuhörer.

3. Schlagen Sie einen Bogen zum Anfang!

Knüpfen Sie inhaltlich an den Anfang an. Das gibt Ihrer Rede Form und hilft dem Zuhörer, den Überblick zu behalten.

4. Geben Sie einen Ausblick in die Zukunft!

Erklären Sie, was passieren wird, wenn man Ihren Vorschlägen nicht folgt. Weisen Sie aber auch darauf hin, wie die Zukunft dank Ihrer Ideen aussehen könnte.

Das sollten Sie vermeiden …

Lassen Sie überflüssige Konjunktive wie "könnte", "möchte gerne", "würde" weg. Das macht Ihren Vortrag viel selbstsicherer und klarer. Vermeiden sollten Sie auch das unpersönliche "man". Beziehen Sie das Publikum mehr in das Geschehen ein, indem Sie "Sie", "Ihnen" oder "Ihr" verwenden. Auch Füllwörter wie "eigentlich" oder "quasi" meiden Sie besser.

Praktische Tipps

Verwenden Sie anstatt abstrakter und komplizierter Substantive anschauliche Verben. Das macht die Rede lebendiger und natürlicher.

Eines der wirksamsten rhetorischen Stilmittel ist die Wiederholung. Wenn Ihnen ein Punkt besonders wichtig erscheint, heben Sie ihn hervor, indem Sie ihn wiederholen.

Auch rhetorische Fragen machen Ihren Vortrag abwechslungsreicher. Bauen Sie Bilder, Metaphern und Beispiele in Ihre Rede ein. Die bleiben am ehesten im Gedächtnis.

Wichtig sind außerdem Sprechpausen. Nehmen Sie sich selbst den Druck, Sie müssten permanent reden. Kleinere Pausen helfen nämlich auch Ihrem Publikum, das eben Gehörte besser zu verstehen.

Halten Sie Augenkontakt zu Ihrem Publikum! Dabei sollten Sie allerdings nie eine einzelne Person fixieren, sondern den Blick gleichmäßig schweifen lassen.

Damit Ihre Stimme sich gut entfalten kann, nehmen Sie eine aufrechte Oberkörperhaltung ein. Das signalisiert Ihrem Publikum zudem Ihre Präsenz und lässt Sie viel selbstbewusster wirken.

Ein Wort zum Schluss

Nun wünsche ich Ihnen wie immer viel Spaß und viele neue Ideen bei der Umsetzung dieses besonderen Textertipps. Für die Suche nach Metaphern und Sprachbilder empfehle ich Ihnen das Lexikon der Wortwelten. Und wenn es um die "schriftlichen Gespräche" im Verkaufstext geht: Vielleicht sehen wir uns einmal in einem meiner Seminare.