Mehr Emotion im Text

Herzlich, freundlich oder seriös: Jeder Text liest sich anders. Doch was tun, wenn ein Text auf der Sachebene gelingt, aber trotzdem trocken und langweilig klingt? Dann braucht Ihr Text "frischen Wind" auf der emotionalen Ebene. Wie Sie das schaffen, lesen Sie im Textertipp.

Wenn vom Vorgesetzten mehr Emotion im Text gefordert wird, ist das gar nicht so leicht umzusetzen. Und oft steht man vor einem Rätsel: wie diesen Wunsch nun in den Text zu bekommen? Emotionale Texte "klingen" ganz bewusst anders, gehen ans Herz oder bewegen sich in einer bestimmten Tonalität. Und es sind handwerkliche Kniffe, mit denen jeder Text "anders rüberkommt". Wie das nun gelingt? Hier sind einige Kniffe:

1.) Sprechen Sie direkt an

Werbetexte klingen sofort persönlich, wenn Sie Ihren Leser direkt ansprechen. "Sie", "Ihr", "Ihnen" sind Möglichkeiten dazu. Wenn Sie per Brief kommunizieren, trägt auch die Anrede einen Teil zu mehr Emotionen bei. So erwecken die Worte "Liebe Müllers" eine gewisse Vertraulichkeit und Herzlichkeit. "Liebe Frau Müller, lieber Herr Müller" klingt schon wieder etwas distanzierter – aber auch korrekter, wenn die Form noch gewahrt werden muss. In Geschäftsbriefen die richtige Betitelung: "Sehr geehrte Frau Müller" oder "Sehr geehrter Herr Müller".

2.) Streichen Sie Nebensätze

Eine alte Werbetextregel: Die Emotion steckt im Hauptsatz, in Nebensätzen wird oft gefolgert, begründet, erklärt. Verzichten Sie also auf lange und zu viele Nebensätze und arbeiten Sie eher in einer Hauptsatzstruktur.

3.) Einschübe und Textscharniere schaffen mehr Emotion

Emotionale Einschübe vermitteln einfach mehr Gefühl. Zwischen zwei Gedankenstrichen trennen Sie – ganz nebenbei gesagt – Emotion von Sachinformation. Und – Hand aufs Herz – wer wünscht sich nicht einfache und klare Wege, um normale Sätze mit Gefühlen aufzuladen. Übrigens: Auch so genannte Textscharniere sorgen für mehr Emotion: Sie verbinden Aussagen miteinander und schieben den Leser sanft zur nächsten logischen Textaussage. Das Besondere daran: Richtig inszeniert bauen Sie Spannung auf und betonen ganz besonders stark den nachfolgenden Satz. Noch mehr Textscharniere für Sie:

Das bedeutet für Sie

Endlich

Ihr Vorteil

Der Clou

Wissenswert für Sie

Schließlich

Darum

Die Folge

Alles in allem

Das Problem

Das Besondere

Konkret

Neu

Mit anderen Worten

Der Fall

Deshalb

Also

Sinn und Zwecke

Das heißt

Der Grund

4.) Floskeln

Floskeln sind nicht immer etwas Schlechtes. Sie nehmen den harten Fakten die Schärfe, helfen mit, für den schriftlichen Gesprächspartner den richtigen Ton zu finden. Will man seinem Text also mehr Emotion verleihen, helfen Füllwörter wie "ja, da, denn, so, doch, nun" und Floskeln durchaus: um Aussagen abzutönen, um Sätzen die Spitze zu nehmen oder eine ironische Spitze einzufügen. Um Freundlichkeit, Höflichkeit, Ungeduld einfach mitzugeben. Ganz wichtig: Setzen Sie Floskeln nur in Maßen ein. Wohl dosiert sind sie durchaus sinnvoll und eine wichtige Möglichkeit, um Emotionen zu schaffen.

5.) Mehr Emotionen mit Verb, Substantiv und Adjektiv

Was wir sehen, riechen, hören, schmecken oder anfassen, entsteht vor unseren Augen. Wenn wir es benennen, rufen wir das passende Bild dazu ab. Das Wörtchen "Turm" löst bei fast allen Lesern ein anderes Bild eines bestimmten Turms aus. Zeichnen Sie hier möglichst konkret: Wasserturm, Fernsehturm, Sprungturm …

Nicht alles können wir sehen, fassen oder riechen. Trotzdem können wir es erleben. Deshalb spricht man von bildhaften Substantiven bei "Liebe", "Neid", "Trauer", "Glück". Bei allen Gefühlen, die wir erleben, die wir nachvollziehen können. Das Wort "Liebe" löst etwas aus – "Hass" bringt konkrete Bilder vor das Auge.

Bei "Materialismus", "Kooperative" fällt es uns schwer, gespeicherte Bilder abzurufen. Bildleere Nominalstil-Monster und abstrakte Substantive machen es schwer, einem Text zu folgen. Meist enden sie auf -ung, -keit, -ismus, -heit, -ion, -ive, -ät. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein Wort wie "Gesundheit" lässt sich nur schwer ersetzen.

Vermeiden Sie Hilfsverben und Konjunktive: Schreiben Sie direkt "zeigen Ihnen" anstelle von "möchten wir Ihnen zeigen" und am Ende Ihres Angebots "wir freuen uns auf die Zusammenarbeit" anstatt "über eine Zusammenarbeit würden wir uns freuen."

Auch die Adjektive aktivieren unsere Vorstellungskraft. Sie sind ein wichtiges Mittel, um Bilder konkreter zu zeichnen, Dinge voneinander abzugrenzen. Sie helfen uns, auf unsere Wortskizze Farben aufzutragen. Am besten gelingt das wieder mit Eigenschaftswörtern, die unsere fünf Sinne ersetzen: Tasten: rau, glatt; Schmecken: süß, salzig; Hören: laut, leise etc.

Oder da ist ein Pullover: "wohlig, weich, seidenweich, eiskalt, schmiegt sich an, kratzt." Jedes Wort löst eine Rückkopplung aus, und wir fühlen es auf unserer eigenen Haut.

6.) Bildersprache

Metaphern bringen unglaublich viel Spannung in den Text. Eine Metapher meint zwei Begriffe oder – weiter gefasst – zwei Themenbereiche, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, die sich in einem Satz oder einer Wendung begegnen. Die Wortbedeutungen überschieben sich und vorher Getrenntes verbindet sich zu etwas Neuem: So entstehen der Hafen der Ehe, der Fuß des Berges, das Luftschiff …

Ein Begriff wird also in einen anderen Sinnzusammenhang getragen. Und weil Metaphern zwei Themen in neue Sinnzusammenhänge stellen, sind sie oft "zweideutig". Würde man die Begriffe wörtlich nehmen, wären sie falsch. So hat der Fuß des Berges keine Zehen, keine Ferse oder Sohle, der Hafen der Ehe weder Kaimauer noch Hafenmeisterbüro.

Das Reizvolle an solchen "Bildspielereien" im Kopf: Metaphern fordern dazu auf, Ähnlichkeiten zu konstruieren. Eine Bedeutungsübertragung findet statt. Denn eine Wendung oder ein Wort wird aus dem bestehenden Zusammenhang genommen und in einem neuen Zusammenhang verwendet.

Unser Gehirn braucht und nutzt solche Brücken ins Bekannte, um Unbekanntes schnell zu verstehen. Dies ist die große Leistung solcher Sprachbilder und das ist der Grund, warum sie in Marketingtexten und Journalismus so wichtig sind. Metaphern sind Schnellstraßen ins Gehirn des Lesers.