Beiträge in Fachzeitschriften

Wer Fachbeiträge für Zeitschriften verfasst, arbeitet nach einer ähnlichen Systematik wie der PR-Journalist. Gerade bei Spezialthemen freuen sich viele Zeitschriften-Redaktionen nach Absprache über fundierte Beiträge. Allerdings nur, wenn sie gut geschrieben und selbstverständlich keine Werbeaktion für das Unternehmen sind. Ihr Textertipp gibt einige Hilfestellungen für Ihren Fachbeitrag.

Titel und Untertitel

Titel und Untertitel spielen zusammen. Der Titel weckt Interesse und klingt oft – je nach Ausrichtung des Mediums - etwas spektakulärer. Der Untertitel erläutert, liefert Details, bezieht ein Thema auf den Leser:

Titel: Vertriebsblind

Untertitel: Verkaufsstarke Direktmarketer sind rar gesät – und händeringend gesucht (Aus der Zeitschrift Direktmarketing)

In manchen Redaktionen gibt es hierzu auch exakte Längenangaben. Zum Beispiel die 40:80-Regel: Die Oberzeile hat max. 40 Zeichen, die Unterzeile ist maximal doppelt so lang. Einige wenige Redaktionen verlangen, beide Zeilen zu füllen (also tatsächlich 40 und 80 Zeichen), während in den meisten Häusern gilt, mindestens eine Zeile sollte so vollständig wie möglich gefüllt sein.

Die Struktur

Ein Muss: der Anschreiber am Beginn Ihres Beitrags. Hier erfährt der Leser in Kurzform, was ihn erwartet. In der Regel werden solche Anschreiber sehr sachlich formuliert, allerdings gibt es auch zahlreiche Fachzeitschriften (zum Beispiel im Marketing), die schon den Anschreiber reißerisch formulieren, um Neugier zu wecken.

Gerade in Fachbeiträgen setzen Sie Zwischenüberschriften, um Ihrem Leser eine schnelle Orientierung zu ermöglichen. Aus dem Bereich der Loseblattwerke kommt ein weiterer Trend: Hier sorgen Randbemerkungen oder Marginalien für zusätzliche Orientierung und liefern dem Leser durch knappe Sätze kurze Zusammenfassungen der jeweiligen Absätze.

Auch Info-Kästen mit Zusatzinformationen und Checklisten helfen, Ihre Informationen besser zu strukturieren und leserfreundlich aufzubereiten.

Inhaltlicher Aufbau

Bei der Formulierung des journalistischen Anschreibers und beim Aufbau Ihres Artikels helfen die W-Fragen:

  • Wer? (Verursacher, Handelnder)
  • Was? (Ereignis, Neuigkeit)
  • Wo? (Ort)
  • Wann? (Zeit)
  • Wie? (Ablauf, Art und Weise)
  • Warum? (Grund)
  • Welche Quelle?

Erweiterung / Zusatzfragen:

  • Welche Folgen hat diese Information für die Betroffenen?
  • Wie lange?
  • Wen betrifft das?

Orientieren Sie sich auch am Modell für das Schreiben einer Pressemeldung. Zwar wird Ihr Fachbeitrag nicht wie eine Pressemeldung von unten nach oben gekürzt. Trotzdem sollten Sie Ihren Leser motivieren weiterzulesen. Deshalb zeigen Sie im Fachbeitrag schon sehr früh, was seine Lektüre bietet. Auch hier gilt: Wichtiges nach vorn! Die nähere Erläuterung des Wichtigen und wie es dazu kam, kann später erfolgen.

Direktansprache ja oder nein?

Für journalistische Texte gilt: Direktansprache des Lesers hat hier nichts zu suchen. Die Pronomen Sie, Ihr, Ihnen aber auch ich und wir werden Sie in guten Tages- oder Wochenzeitungen nicht finden. Hier herrscht das "Diktat des Faktischen": Die Fakten sprechen zunächst für sich und werden an dafür ausgewiesenen Stellen kommentiert und interpretiert.

Allerdings handhaben viele Fachzeitschriften dies etwas anders. Je nach Leserschaft ist es hier sogar oft gewünscht, den Leser im Text direkt anzusprechen. Hier dürfen Sie Sie, Ihr, Ihnen schreiben.

Tipps aus der Journalisten-Küche

  • Journalisten-Trick: Bei der Recherche nicht nur Leute direkt befragen, die dabei waren, sondern auch die Situationsbeschreibungen dieser Leute sammeln.
  • Personalisieren Sie Nachrichten. Das heißt: Hängen Sie die Geschichte an eine Person, die auch als Identifikationsfigur wirken kann.
  • Recherche: Während sich die klassische Recherche auf Personen konzentriert, die direkt betroffen sind oder von denen die Nachricht kommt (Kompetenzträger), kann es besonders interessant sein, die Recherche auch auf Personen zu konzentrieren, die sich betroffen fühlen. So recherchieren Sie bei Neuigkeiten aus dem Kabinett eben nicht nur bei Ministern etc., sondern gerade auch bei Otto Normalverbraucher, der verärgert etc. ist.