Ihr Textertipp: Hervorhebungen


Was einfach zu erfassen ist, wird wahrgenommen. Übersichtlich gestalteter Text ist lesefreundlicher als ein unformatierter und gewaltiger Textblock. Wie Sie Informationen schnell vermitteln, Text-Einstiege erleichtern und die Lesbarkeit verbessern, sagt Ihr Textertipp.


Das Wichtigste zu Hervorhebungen:

  • Beste Möglichkeit: Fettdruck.
  • Weniger ist mehr: pro Absatz ein bis zwei Hervorhebungen.
  • Maximal 3-4 Hervorhebungen.
  • Fetten Sie gängige Wörter.
  • Hervorhebungen helfen durch den Text und sind kleine Anker für das Auge.


Ihre Text-Werkzeuge für Klarheit und Orientierung

Bilder, Buttons, Icons, Grafiken und Farben lockern auf, brechen Informationen in Schaubilder herab und sind beliebte Konzeptions- und Gestaltungselemente. Sie erklären mitunter sehr schnell, ergänzen Informationen oder bringen auf den Punkt, was der Text weiter ausführt. Gut gemacht beschleunigen sie die Kommunikation, bieten sinnvolle Quereinstiege und locken unsere Aufmerksamkeit.

Auch die Typographie bietet viele Möglichkeiten, Botschaften einfach und schnell zu vermitteln. Eine davon: die Hervorhebung. Diese Formatierung markiert und betont Aussagen bzw. einzelne Wörter gegenüber dem restlichen Text, gibt Orientierung, leitet durch den Text, verbessert Lesbarkeit und erhöht Lesegeschwindigkeit.

Dem Auge Halt geben
Studien zum Leseverhalten beweisen, dass unser Auge deutlich sichtbare Ankerpunkte benötigt, um sich zu orientieren. Typographisch gelöst wird das (meist) per Fettdruck, der nicht immer „Schwarz auf Weiß“ im Dokument erscheinen muss. Auch Farbe kann Schwarz ablösen, wenn es nicht zu bunt wird. Wichtig hierbei: Ja nicht zu blass – sondern Farbe kräftig auftragen. Eine gute Lösung: Fettdruck und Farbe.

Oder anders gesagt: Mit Hervorhebungen steuern wir ganz gezielt, wie sich jemand durch den Text bewegt. Und ob er überhaupt in den Text einsteigt. Denn niemand wird sich chronologisch von Anfang bis Ende durcharbeiten und Information für Information in aller Ruhe auswerten. Texte – offline wie online – werden zunächst auf der Suche nach relevanten Inhalten überflogen. Hier zählen Stichwörter – die die Aufmerksamkeit des Lesers erregen und in den Text ziehen.

Viel hilft nicht immer viel
Nun gibt es immer wieder das seltsame Verlangen, im Text ganz viel auf einmal hervorzuheben: Weil alles irgendwie gleich wichtig erscheint? Weil wir uns nicht entscheiden können, was nun wirklich richtig wichtig ist? Aber was geschieht nun mit dem Text? Eben: gar nichts! Denn wenn beinahe alles per Fettdruck markiert wird, tritt die Hervorhebung in den Hintergrund und die nicht hervorgehobenen Wörter werden plötzlich betrachtet. Der Effekt wird einfach umgedreht. Schuld daran: Das Ausnahmegesetz: Gerade das, was aus der Reihe fällt oder tanzt, hat den stärksten Effekt.

Gut gemeint, aber doch falsch: Hervorhebungen, die nichts aussagen
Gesehen, gelesen, aber doch nicht reagiert? Da ist der Text wohlformuliert, nennt Vorteile wie Nutzen, ist nicht überladen, fordert Reaktion ein – und doch scheint hier irgendetwas nicht zu stimmen. Genau! Denn beim ersten Überfliegen nehmen wir nur wahr: „Holzhandel Musterhausen“, „Besuch“, „Material“. So oder so ähnlich machen es viele Texte. Auch wenn möglichst häufig der eigene Firmenname hervorgehoben wird, weiß der Leser zwar, wer schreibt, aber nicht was. Das heißt: Bevor ein Text druckreif ist oder veröffentlich wird, sollte er kritisch hinsichtlich Hervorhebungen und der vermittelten Vorteilskette geprüft werden. Fragen Sie sich: Was wird mitgeteilt? Echte Vorteile oder nur inhaltsleere oder gar immer dieselben Stichworte? Ergibt sich beim Querlesen der grobe Inhalt? Wird der Leser von Vorteil zu Vorteil geleitet?

Das bitte nicht ...
Wörter im Brief unterstreichen. Alles, was unterstrichen ist, deuten wir als Verweis ins Internet. Unterstreichungen sind heute E-Mails oder Webseiten vorbehalten. Außerdem schneiden sie das Schriftbild bei Buchstaben mit Unterlänge ab, so bei g, j, p, q und y. Ausnahme und Kompromiss: Der firmeninterne Textbaukasten arbeitet mit dieser Formatierungsfunktion, kennt also nicht den Fettdruck als Hervorhebung. Dann sind Unterstreichungen allemal besser als zum Beispiel die Kursivstellung einzelner Wörter, da diese die Lesegeschwindigkeit drosselt.

Hervorhebungen in der alltäglichen Korrespondenz?
Kundenbriefe schreiben wir zu allen möglichen Anlässen. Hier werben wir nicht mehr, sondern informieren und kommunizieren mit dem Kunden. Ein oft angebrachtes Argument: Hervorhebungen haben werblichen Charakter und vermitteln den Eindruck: Hier will mir jemand etwas verkaufen.

Wir möchten Texte aber beschleunigen, Botschaften und Aussagen sichtbar machen und den Empfänger schnell durch den Inhalt führen. Es ist vielmehr Dienst am Kunden, wenn wir damit Wichtiges bewusst und pointiert hervorheben, ihm das Lesen ein wenig einfacher machen und ihm Zeit schenken.

Unstrukturierte Kundenbriefe dagegen strengen zu sehr an – und machen wenig Lust aufs Lesen. Machen Sie sich also darüber Gedanken, welche Aussagen sinnvoll für Hervorhebungen sind und den Textinhalt schnell transportieren. Präsentieren Sie dem Leser die Informationen portionsweise und bieten Sie pro Absatz ein bis zwei Hervorhebungen à ungefähr 18 Buchstaben an (bei üblicher Schriftgröße). Denn das entspricht in etwa der Wahrnehmungsspanne des menschlichen Auges. ¹

Kurzum – auf den Punkt gebracht
Hervorhebungen sollten Sie nicht inflationär einsetzen – der Effekt der bewussten Betonung geht sonst verloren. Konzentrieren Sie sich auf einige wenige Markierungen, heben Sie einfache und gängige Wörter hervor, da diese schneller erfasst und ausgewertet werden können. Und denken Sie daran: Hervorhebungen sollen den Text schneller erfassbar machen – und nicht den Lesefluss behindern.

Noch mehr lernen Sie in meinem Texterseminar. Das nächste Mal am 06. + 07.09. 2017 in Frankfurt / Main.

Aus dem Seminar: 6 Methoden für Ihren Text

Texten ist kein Hexenwerk, sondern Handwerk. Und erlernbar. Jede(r) kann es. Auch wir haben uns gefragt: Wie ist Texter-Wissen vermittelbar? In 2 Tagen? Damit unabhängig der Vorkenntnis nach dem Texterseminar klare, präzise und verständliche Texte entstehen. Die Antwort: Eine Methodik, welche die typischen Anforderungen an Texter beachtet. In einem modularen Baukasten-System.
Hier sind die 6 Methoden der Textakademie

 

Hinweis in eigener Sache
Der Textertipp richtet sich an Texter und Texterinnen gleichermaßen. Und an solche, die es werden wollen. Keinesfalls möchten wir mit der Vereinfachung Personen ausschließen; schon gar nicht schreibbegeisterte Texterinnen. Deshalb unser Hinweis: Der Textertipp richtet sich an Personen allerlei Geschlechts.

¹ Institut für Software-Ergonomie und Usability AG