Ihr Textertipp: Doppel- und mehrdeutige Wörter

Ist mit dem Strauß der Vogel oder ein Blumengebinde gemeint? Mit der Brücke eine Fluß-Überquerung oder der Zahnersatz? Und wieso modern je nach Betonung eine völlig andere Bedeutung erhält, lesen Sie in Ihrem Textertipp.

Sie ahnen es: Heute geht's um die Mehrdeutigkeit von Begriffen. Oder: ein Wort, doppelter Sinn. Sprachwissenschaftler nennen das Äquivokation. Und teilen in Polyseme, Homonyme, Homographe oder Homophone. Stark vereinfacht gelingt die Unterscheidung, wenn man in Schreibweise und Aussprache unterteilt oder den Sinn mit dem Kontext ergänzt:

  • malen oder mahlen (Aussprache)
  • Sie arbeitet in einer Bank / Er sitzt auf der Bank (Kontext)
  • Er ist auf Montage
  • Sie hasst Montage

Sie sind kein Phänomen der letzten Jahre, sondern alt. Als Geburtsstunde nennen Linguisten die Fortsetzungsgeschichte zu Alice im Wunderland (Alice hinter den Spiegeln, 1871). Dort wird ein Gedicht rezitiert, das größtenteils aus frei erfundenen und / oder zusammengesetzten Wörtern besteht. Diese neue und bis dahin offensichtlich unbekannte oder nicht näher bezeichnete Wortart wurde mit einem Handkoffer der damaligen Zeit verglichen: Hier finden Gegenstände unterschiedlichster Art Platz und purzeln auf Reisen munter durcheinander. Übertragen auf die Sprache geschieht das bei Teilen von Wörtern, die zu einem neuen Wort vermischt werden und daraus eine neue Bedeutung entsteht.

 

Übrigens sind Kofferwörter nicht nur in der Umgangssprache zu finden, sondern auch in der Literatur: Zum Beispiel in Werken von Heinrich Heine oder Michael Ende.

Wieso all das?

Auf den ersten Blick mag das eine sprachverliebte, detailversessene oder einfach nur amüsante Spitzfindigkeit sein. Wie zum Beispiel hier:

  • Paul räumt seinen Schrank ein.
  • Paul räumt seine Schuld ein.

Besonderes Augenmerk und seine Berechtigung erfährt es bei Stich-, Schlag- oder Suchwörtern mit keinem oder wenig Textzusammenhang. Zum Beispiel in Indizes, bei der Verschlagwortung im Intranet oder bei Suchdiensten im Internet. Also wenn die Suchanfrage zu Ketten eigentlich eine Fahrradkette liefern soll, aber doch überwiegend Schmuck anzeigt und somit für den Suchenden ohne Relevanz ist.

Das heißt: Bei vielfach verwendbaren Wörtern hilft die Differenzierung. "Kosten" kann betriebswirtschaftlich verstanden, andererseits als Verb auch im Sinne von "probieren" gedeutet werden. Rein über die Groß- und Kleinschreibung gelingt die Unterscheidung nicht (mehr). Denn sie wird bei Suchanfragen häufig missachtet und von den Suchmaschinen nicht (mehr) berücksichtigt.

Aus Sicht der SEO- und Content-Manager heißt das: Genau darauf zu achten, ob Wörter gleicher Schreibweise doppel- oder mehrdeutig verwendet werden. Denn: Homonyme Wörter blähen die Trefferlisten auf und verwaschen die Suchanfrage, wenn nur ein Begriff eingegeben wird.

 

Ein Test ...

Die Suchanfrage nach "Kette" liefert über 29 Millionen Einträge. Auf den ersten zwei Seiten bringen 20 von 24 Treffern Mode damit in Verbindung. Die meisten Treffer assoziieren damit eine Halskette. Und dennoch bringen vier Treffer etwas völlig anderes auf den Bildschirm: Fahrradkette, Fahrradschloss, Kette für Motorsäge sowie Antriebs- und Förderkette für die Industrie.

Entscheidend hierbei: Es ist wichtig zu wissen, wie gesucht wird! Unterstellt man den Suchenden die Absicht, mit dem Begriff Kette Mode zu ordern, sind alle anderen, die aus der Reihe tanzen, hier auf dem ersten Blick völlig falsch!

Besser: Differenzierter zu werden und zu optimieren. Ist der Begriff "Kette" Bestand der zentralen Suchstrategie und wird damit Mode verbunden, hilft es, vom Begriff nicht abzulassen, aber ihn genauer zu benennen.

 

Typologien, die dabei helfen

1. Vom Großen ins Kleine - die Stufenmechanik

Kette | Halskette | Colliers

2. Mit Adjektiven und Adverbien

Festliche Halsketten und elegante Colliers

3. Nach Art (Material, Größe, Herstellung)

Halsketten aus Gold, Silber und Platin

4. Preis

Günstige Halsketten | Modeschmuck preiswert

5. Qualität

Hochwertige Ketten

6. Nach Anwendung

Halskette | Fußkettchen | Armkette | Armbänder

 

Genauer wird's über die Semantik

Weil die Suchmaschinen alles Mögliche in Betracht ziehen, sind jegliche Textangaben im Bedeutungsumfeld einer Internetseite nützlich und hilfreich. Vor allem dann, wenn Homonyme in den Wortfeldern eine Rolle spielen. Wer richtig bündelt und mehrdeutige Begriffe in das passende Umfeld stellt, löst schneller auf. Das gilt nicht nur für die digitalen Medien, sondern auch offline.

Bei genauem Betrachten lösen folgende Schlagzeilen Fragezeichen aus – oder Wortwitz:

  • Ein Schloss für alle Fälle
  • Pferd schlägt Bauer

Um Wortkomik zu verhindern, hilft:

1. Homonyme erkennen.

2. Das Umfeld zu erweitern.

 

In diesem Beispiel mit einer weiteren Schlagzeile:

  • Gegen Einbruch <br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Schloss für alle Fälle
  • Beim Schach <br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Pferd schlägt Bauer

Oder:

  • Investieren in Luxus-Immobilien <br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Schloss für alle Fälle
  • Auf Bauernhof <br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Pferd schlägt Bauer<p>

Zum Schluss ...

Meist klärt sich Doppeldeutig über den Kontext und, wenn möglich, über die Schreibweise. Ausnahme: Wenig Hilfe gibt's bei automatisierter Texterfassung. Eine Suchmaschine erfasst selten den Sinn einer Anfrage und kann nicht entscheiden, ob die Suche nach "Ball" ein Spielgerät oder eine feierliche Tanzveranstaltung auflisten soll. Immerhin: Suchanfragen werden von Userseite immer detaillierter gestellt und logische Verknüpfungen bereits gestellter Suchanfragen abgeleitet. Wer also in Vergangenheit öfter nach Autos suchte, wird mit dem Suchbegriff "Golf" wenige Treffer zur Sportart erhalten.

Übrigens: Mehr zu verständlicher Sprache, klarem Ausdruck und zielgerichteten Headlines erfahren Sie im Texterseminar. Dort schulen Sie Ihr Textverständnis und vertiefen die Feinheiten der Sprache. Zum Beispiel am 06. + 07.05. in Stuttgart. Weitere Termine finden Sie hier.