Ihr Textertipp: Emotionen im Text via Stilmittel

 

Wenn wir sprechen, drücken sich Emotionen durch Mimik, Gestik und Tonfall aus. Was bleibt, wenn wir schreiben? Das blanke Wort. Wie Sie dennoch emotionalisieren können, zeigt der Textertipp.

 

 

Grammatikalische Stilmittel

Wie sehr sich Sprache wandelt, zeigt sich ganz besonders in Kommunikations-Trägern, die vor allem schnelle, eilige oder kurze Botschaften übermitteln. Oder, die ein Sender wählt, um den Empfängern auf möglichst direktem Weg etwas mitzuteilen. Botschaften und Dialoge via soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste sind vor allem eines: kurz und prägnant. Und sehr nah an der Umgangssprache. Hier schreiben wir so, wie wir denken. Meist ohne Umschweife und ohne Korrekturabzug. Gedacht ist hier gleich getippt.

Das hat Folgen für die Sprache und den Stil. Und den Ausdruck sowieso. Muss das aber für die Sprache schlecht sein? Nicht unbedingt! Kann man doch hier sehr viel entdecken, wie Worten plötzlich eine ganz andere Anmutung eingehaucht wird. Oder es zu grammatikalischen Formen kommt, die in der schriftlichen Korrespondenz selten vorkommen. Um jedoch Missverständnissen vorzubeugen: Ausdrücklich geht es nicht darum, Sprache mitsamt Ausdruck verrohen und die Grammatik außen vorzulassen. Verlässt Sprache das geebnete Flussbett, wirken Sprachregeln plötzlich nicht mehr als gemeinsamer Nenner. Und es ist nicht mehr so ganz klar, worum es eigentlich geht. Folgende Stilmittel bringen Emotionen in die Sprache:

 

Interjektionen: Empfindungen ausdrücken

Bekannt aus Comics: Immer dann, wenn besonders viel "Stimmung" in eine Szene hineingebracht wird, werden die Handlungen der Comichelden mit aufbrausenden Aussagen untermalt. "Autsch", "Ahhh", "Ohh", aber auch "Ach!", "Oje" oder ausführlicher wie mit "Mensch" oder "Donnerwetter". Noch deutlicher werden Interjektionen, wenn sie vom Kontext begleitet werden: "Oje, das macht keinen Sinn mehr" oder "Igitt! Das ekelt mich an". Einerseits wirken sie so besonders betont, andererseits können sie auch Mittel zum Zweck sein. Zum Beispiel für Ironie oder Sarkasmus: "Ach, Herr Maier ist heute mal pünktlich!"

 

Verniedlichungen: klein und harmlos?

Wenn aus einer Katze ein Kätzchen, aus einem Haus das Häuschen oder aus dem Reh das Rehlein wird, treiben Verniedlichungen ihr Unwesen. Gebildet werden sie meist mit den angehängten Endungen -chen, -lein, -erl, -je oder -tje (unter anderem vom Dialekt abhängig). Diminutive werden als Wertung (das kleine Männlein), als Untertreibung, als Koseform (Häschen), zur Verniedlichung oder Umschreibung verstanden, die uns sehr nahe und vertraut wirken.

Aber Achtung! Sie funktionieren auch als Zuspitzung: "Das wird ein nettes Sümmchen, das auf Sie zukommt."

 

Emotionen über Namen

Nah an den Empfänger geht's per "Du". "Du - Klaus - ich muss dir etwas sagen". Allemal ist die Anrede mitsamt Namen auf der sprachlichen Ebene das Persönlichste, was wir haben. Übertragen auf Dialoge aller Art heißt das: Ganz bewusst reden wir namentlich bekannte Empfänger an. Gemäß der Form: in der Geschäftskorrespondenz formal korrekt. Wenn Sie in den Privatbereich via Sportartikel eindringen dürfen oder Einrichtungsgegenstände für das eigene Heim anbieten, kann die Umgehung von formalen Zwängen interessant sein. Werbung von Ikea in der Sie-Variante? Unvorstellbar!

 

Mit Satzzeichen

Klaus hasst Meetings. Sie fressen Zeit. Und bringen wenig. Drei Sätze. Je drei Wörter. Prima für die Anzeigenwerbung (Print und Plakate) oder Online-Texte, weniger hilfreich in Korrespondenzbriefen.

Zwar bringen stark verknappte Sätze ordentlich Tempo, andererseits ringen wir in längeren Fließtexten mit dieser Rhythmik schnell nach Luft. Außerdem klingt es monoton und der Effekt des Stilwechsels oder -bruchs ist dahin. Weil die Dosis das Gift macht.

Die Aussage mit Nachdruck oder das betonte Satzende: Ausrufe- und Fragezeichen kennzeichnen nicht nur Aussage oder Frage; sie bringen auch den Ton in den Text.

Ist es das?

Das ist es!

Hervorragend geeignet übrigens auch für Headlines. Dies kann auch eine Headline-Technik sein:

Bahn-Streik: Schon wieder?

Bahn-Streik: Schon wieder!

Mit denselben Wörtern ändert sich plötzlich die Aussage. Möchte der Autor mit dem Fragezeichen seine Verzweiflung zeigen, gibt er mit dem zweiten Beispiel seinen Gemütszustand wieder: Hier zeigt jemand deutlich sein Missfallen.

Emotionale Färbung gelingt auch über den Satzbau. Also wenn Sätze umgestellt werden ("Gratis für alle" vs. "Für alle gratis"). Oder über bewusste Auslassungen. Sogenannte Ellipsen verzichten auf Satzteile: Hans isst Pizza, Klaus isst Spaghetti. Für die Verständlichkeit unwichtige Aussagen treten zurück, das Wesentliche wird stärker in den Fokus gerückt.

Um auf das Wesentliche zu reduzieren, werden Ellipsen gerne vom Print- und Online-Journalismus genutzt:

Griechenland ist zahlungsunfähig!

 

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