Schwarz auf weiß – wie Schriftarten in Brief und Web wirken

Courier, Times New Roman oder Arial. Das sind nur drei Schriftarten, aus denen wir wählen können. Tatsächlich gibt es mehrere tausend Schriften. Mit Serifen oder ohne. Mit mehr oder weniger Buchstaben-Abstand. Und weil die Frage "Welche Schrift?" natürlich auch die Gesamtwirkung eines Textes betrifft, haben wir Wissenswertes rund um Ihre typographischen Möglichkeiten hier für Sie zusammengestellt.

Texte erfüllen unterschiedliche Zwecke: Mal sind sie informierend, mal "schöne" Literatur, mal sind sie werbend oder ganz auf den Verkauf ausgerichtet. Und manchmal entscheidet bereits der Zweck über das Schriftbild. Doch weitere Faktoren kommen hinzu: zum Beispiel die Frage nach der Lesbarkeit. Ist es notwendig, dass Inhalte wie auf Verkehrsschildern oder Verkaufstexten sofort erfasst werden müssen, oder hat der Leser Zeit ein "Gesamtkunstwerk" aus Schrift, Papier und Satz "zu bestaunen"?

 

Im Verkaufstext entscheidet die Lesbarkeit mit über den Erfolg Ihrer Texte: Denn ist die Typografie klar und eindeutig, steigen die Chancen des Textes, gelesen zu werden. Stimmen nun noch Struktur und Inhalt, haben Sie den Leser auf Ihrer Seite. Doch wie trifft man die richtige Entscheidung zur Frage "Welche Textart und welches Medium braucht welche Schrift"?

Was es alles gibt: die Schriftfamilien

Um ganz korrekt zu sein: Natürlich beeinflussen nicht nur Merkmale wie Buchstabengröße, Abstände zwischen Buchstaben und Zeilen oder die Neigung und Ausformung von Schriften die Lesbarkeit eines Textes: Auch äußerliche Faktoren wie Beleuchtung, Blickwinkel, Leseabstand oder die Vertrautheit mit einer Schrift beeinflussen das Lesen. Wir konzentrieren uns hier zunächst einmal auf die reinen Schriftmerkmale.

 

Und eines sticht jedem Leser sofort ins Auge, wenn vorhanden: die Serifen. So nennt man die kleinen Füßchen am Ansatz oder Abschlussstrich eines Buchstabens. Man unterscheidet ganz einfach Serifenschriften wie die Times Roman oder die Garamond von serifenlosen Schriften wie Arial, Helvetica oder Verdana. Serifenschriften nennt man auch Antiquaschriften, die serifenlosen sind Groteskschriften.

Serifen- oder Groteskschrift?

Serifenschriften sind die Schriften der schönen Literatur, der Tageszeitung, des Briefes. Und so haben wir sie kennengelernt. Ihr großer Vorteil: Beim Lesen bilden die Serifen eine feine Leselinie, die das Auge in der Zeile hält. Deshalb sind Antiqua-Schriften in der schriftlichen Kommunikation per Brief nach wie vor sehr beliebt, wirken aber manchmal auch etwas "angestaubt".

 

Wesentlich moderner wirken hier Groteskschriften. Heute die Schriften des Internets, mehr und mehr der Fachliteratur und Technik, im Zeitungsbereich die Schrift der Bild-Zeitung. Ihre Stärke: die klare Buchstabenkontur. Ihre Schwäche: Hier fehlt die "eingebaute" Leselinie, die das Auge beim Lesen von Serifenschriften so angenehm unterstützt. Der Buchstabe selbst gibt weniger Halt. Das wird offensichtlich, wenn man den Zeilenabstand bei Groteskschriften zu stark verkleinert. Dann fällt das Auge aus der Zeile, die Zeilen "kleben" optisch zusammen. Die einfache Gegenmaßnahme: Halten Sie einen vernünftigen Zeilenabstand ein, schreiben Sie mindestens einzeilig. Dann machen Sie die weiße Linie zwischen den Zeilen zur Leselinie, die das Auge hält.

Der große Gewinner: Groteskschriften

Das Auge des Lesers muss die einzelnen Buchstaben voneinander trennen und klar erkennen. Und das möglichst einfach, schnell und eindeutig. Denn das wesentliche Kriterium für Leserlichkeit ist die klare Buchstabenkontur. Nun sind Serifenschriften nicht unleserlich, doch die klare Kontur ist nun einmal der große Vorzug der Groteskschriften. Deshalb sorgen Verkehrsschilder nicht nur mit klaren Symbolen, sondern auch mit Groteskschrift für Klarheit im Straßenverkehr.

 

Zusätzlich gilt: Was einst als unverrückbar galt, weicht sich heute mehr und mehr auf. In Print-Magazinen oder Werbebriefen sehen wir heute immer mehr serifenlose Schriften, wie zum Beispiel "Arial". Sie wirken in den Augen vieler Unternehmen moderner als die immer noch oft verwendete Times. Auch auf der Titelseite der Tageszeitung erscheinen Groteskschriften. In den Headlines oder in kurzen kommentierten Inhaltsverzeichnissen oder Schnellübersichten.

 

Sie heißen Verdana, Tahoma, Trebuchet oder Arial. Und sie begegnen uns täglich im Internet oder in den E-Mails. Der Hintergrund ist (auch) technisch bedingt. Denn im Vergleich zu Druckmedien haben Computer-Monitore eine sehr geringe Auflösung und können daher kleine Details wie die Serifen nicht so exakt darstellen, wie "gedruckt". Die kleinste darstellbare Einheit ist hier immer ein Pixel, also ein Bildquadrat. Was noch dazukommt: Vor weißem Bildschirm-Hintergrund gehen Serifen oft "verloren", weil sie der helle Hintergrund einfach "überstrahlt". Trotzdem gibt es einen neuen Trend hin zur Serife: Schriften wie die Georgia sind für den Bildschirm optimierte Serifenschriften. Und die kommen wieder. Gerade in Zusammenhang mit den vielen entstehenden Blogs. Wohl weil Serifenschriften noch immer an Nachrichten und an die Zeitung erinnern.

Kurz zusammengefasst: Wo sich was eignet

Grundsätzlich gilt: Je schneller die Botschaft übermittelt werden soll und je weniger Zeit der Leser hat, desto klarer muss die Schrift sein. Hat er sich aber an Schriften gewöhnt, sollten Sie nicht von heute auf morgen andere Schriften verwenden, nur weil sie moderner wirken.

Wichtig für Kataloge: "Kleingedrucktes" nehmen wir ohne Serifen deutlich besser wahr. Antiquaschriften sind bei kleinen Schriftarten nur noch sehr schwer zu erkennen. Die Buchstaben werden undeutlich und scheinen ineinander zu verschwimmen. Hier brauchen wir die klare Kontur der Groteskschriften.

 

In Briefen ist beides möglich. Klassisch sind Antiquaschriften, moderner Groteskschriften. Falls Sie sich hier für Arial, Verdana und Co. entscheiden: Achten Sie darauf, den Zeilenabstand zu vergrößern, um den Effekt der Leselinie wiederherzustellen.

 

In Internet und E-Mails: Entscheiden Sie sich für Groteskschriften. Die gängigsten Internet-Schriften sind Verdana, Tahoma und Trebuchet MS.

 

In Büchern und der Tageszeitung setzen wir nach wie vor auf Antiquaschriften, die aber zunehmend in Überschriften und Zwischenüberschriften, Zusammenfassungen mit Groteskschriften ergänzt werden.