Ihr Textertipp: Zu viel des Guten: Wenn Texte „kaputt-“optimiert werden | Textakademie

Ihr Textertipp: Zu viel des Guten: Wenn Texte „kaputt-“optimiert werden

Goethe wusste: Getretener Quark wird breit, nicht stark. Dasselbe gilt für Texte: Werden sie zum wiederholten Mal durch die Mangel gedreht, werden die Aussagen nicht schärfer. Eher schwächer. Und der Text ist "kaputt"-optimiert. Wie Sie dem entgegenwirken, zeigt Ihr Textertipp.

Wann ist es gut genug?

Irgendwann geht’s nicht mehr besser? Der Zenit ist erreicht? Verfechter des Mikromanagements drehen gerne an jedem Wort und Satz. Ständig. Ob es danach besser ist? Im besten Falle wird es nicht schlimmer.

Wenn zentrale Textaussagen und wichtige Passagen verfremdet oder ersatzlos gestrichen werden, leidet der Text. Und mit ihm das Verständnis. Wenn nach unzähligen eigenen oder fremden Text-Durchläufen gar Satzzeichen hin- und her bewegt werden, geht’s oft an Nichtigkeiten. Und dann wird es oft schlimmer, wie es einst war: Der Text wurde „kaputtoptimiert“.

Um es klarzustellen: Die kritische Auseinandersetzung mit Texten aller Art ist
unverzichtbar. Schützen möchten wir vor dem „Klein-klein“, internen Konflikten
und Grabenkämpfen: Weil es Zeit, Nerven und letztlich auch Geld kostet. Wir
möchten das Gespür dafür vermitteln, wann die Textoptimierung
abgeschlossen ist.

Welcher Text durchläuft welchen Prozess?

Definieren Sie für die Textfreigabe mit zwangsweise einhergehender Optimierung bzw. Prüfung einen klaren Ablauf: Welchen Weg nimmt ein Text im Unternehmen, wenn der Autor ihn schließt? Bilden Sie bei hohem Textaufkommen Cluster. Nach Reichweite, Auflage, Bedeutung bzw. Relevanz.

Schaffen Sie ein Kompetenz-Team „Text und Dialog“

Wenn feststeht, welcher Brief wann welche Runde macht, legen Sie fest, wer wann welchen Brief zur Prüfung erhält. Hier gilt: Je relevanter und wichtiger, desto höher das Gremium: Die Antwort auf eine einfache Anfrage muss nicht von der Vorstands-Etage abgenickt werden; das großangelegte Mailing hingegen schon. Das Wording in Mahntexten muss der Unternehmens-Kultur entsprechen und wenigstens mit der Fach-Abteilung in Einklang stehen.

Zentrale Schnittstelle ist die Qualitäts-Sicherung. Hier laufen alle Fäden zusammen. Sie ist Anlaufstelle, die Fragen aller Art beantwortet und Unsicherheiten ausmerzt. Die intern schult und Kollegen betreut. Die sich dem Corporate Wording widmet, es vorantreibt und verbindliche Text-Standards setzt.

Textvorlagen für wiederkehrende Prozesse: Die (tägliche) Korrespondenz wird
mit Textvorlagen gemeistert. Mitunter muss hier ein ganzes Archiv entrümpelt
werden und einem zeitgemäßen Dialog angepasst werden. Großer Vorteil:
Einmal optimiert, „sprechen“ die Texte mit einer Stimme und im Sinne des
Unternehmens.

Messen Sie Ihre Texte an geltenden und bewährten Regeln

Botschaften müssen auf Anhieb vermitteln, worum es geht. Der Leser muss schnell verstehen! Denn: Niemand stöbert gerne lange nach Textaussagen, niemand löst gerne ungewollte und nicht angeforderte Texträtsel auf. Und das hat Konsequenzen für den Textaufbau:

  • Das Wichtigste wird immer zuerst gesagt!
  • Kleine Texthäppchen „schmecken“ uns besser als lange Textpassagen.
  • Hervorhebungen übermitteln das Wesentliche.
  • Bilder und Symbole sind schneller als Text. Also setzen wir sie bewusst ein und schaffen damit Ankerpunkte fürs Auge.
  • Schnell-Einstiege: Wir reichen dem Leser an vielen Stellen die Hand und ziehen ihn sanft und behutsam in den Text hinein: Durch visuelle Reize, bekannte Aussagen, zielgruppenorientierte Ansprache, prägnante Botschaften oder Ausrufe, die Neugier und Interesse hervorrufen.

Übrigens: Mehr zum „Feinschliff“ hat die Texterfibel parat.

Arbeiten Sie mit Checklisten. Lassen Sie sich nicht von Emotionen leiten. Wenn der Eingabeprozess anonym und ohne Rückschluss auf den Autor gestaltet wird, schalten Sie persönliche Abneigungen von Beginn an ab. Nur so wird der Text anhand gängiger Merkmale geprüft.

Zum Schluss

Machen Sie den Prüfungs- und Freigabe-Prozess sichtbar. Sagen Sie: Was geschieht mit einem Text, der den Schreibtisch des Autors verlässt? Je klarer dieser Prozess ist, desto mehr Verständnis, Verbindlichkeit und Sicherheit gewinnen alle am Prozess Beteiligten. 

Was Sie im Schreibprozess unbedingt beachten müssen und wie Sie mit Methode starke Texte verfassen, lernen Sie im Texterseminar. Zum Beispiel das nächste Mal am 07. + 08.06.2016 in Stuttgart.